Ernst Gumrich, unser Fraktionsvorsitzender, ist nicht nur mit geradelt, sondern hat auch scharf beobachtet.

“Zwei Tage Exkursion in die Fahrradstadt Kopenhagen.
 Gefühlt, geschätzt 15-20 km jeden Tag gemeinsame Erkundungs- und Lerntour (auf dem Rad, wie sonst?!
Mit dabei: 
5 Teilnehmer aus der Verwaltung (Oberbürgermeister Palmer, Baubürgermeister Soehlke, Frau Landwehr, Herr Füger, Herr Sarcoli) 
5 Stadträte (Joachim, Ebinger, Soekler, Schreiber, Gumrich)
Und was kam dabei heraus?
An jeder neuen “Erkenntnisstelle” wurde diskutiert, beobachtet, verglichen, Parallelen zu Tübingen gezogen und verworfen, Alternativen für unseren engeren Straßenraum gesucht. Alle hatten ähnliche Einsichten, die Schnittmengen waren enorm groß.
Allein die Sympathie für sogenannte “Shared space”-Lösungen bei einigen, und, dem entgegengesetzt, eher eine Präferenz für eine strikte Trennung der drei Verkehrsteilnehmer Auto, Fahrrad, Fußgänger, blieb als kleiner kollegialer Dauerzwist.

Meine Erkenntnisse:
1. Für mehr Radverkehr brauchen wir nicht nur objektiv mehr Sicherheit. Es muss eine Art von Sicherheit sein, die man spürt.
Mehrfach hörten wir: Fragt Euch bei jeder Strecke, ob sich dort eine Mutter mit ihrem kleinen, gerade Radfahren lernenden Kind wohl und absolut sicher fühlen würde.
Und wo es immer geht, müsste ein schnelleres Fahrrad die beiden überholen können! (Das schaffen wir nicht an vielen Stellen in Tübingens Innenstadt). Wenn Mutter/Vater und Kind sich nicht sicher fühlen, seid Ihr noch nicht fertig mit der Verbesserung des Radkonzeptes an dieser Stelle!

2. Klarheit und strikte Durchgängigkeit der Radwege. In Kopenhagen weiß man immer ganz genau, wo ein Radweg neben, oder abgezeichnet auf der Fahrstraße weitergeht. Wo das der Radfahrer oder der Autofahrer vielleicht nicht so auf Anhieb mitbekommen könnte und es dadurch gefährlich würde (meist in Kreuzungsbereichen), ist der Radweg hellblau auf die Fahrbahn gemalt. Klarheit selbst für die Touristen, die zum ersten Mal in der Stadt sind.

3. Das Sicherheitsgefühl und flüssiger Radverkehr wird auch durch die Beseitigung von Tausenden kleiner Störungen, Engstellen etc. erreicht.
Wir kamen an vielen Baustellen vorbei. Immer wurden die Fahrradfahrer absolut zweifelsfrei und gut vorbeigeleitet.

4. In der Hierarchie der Bevorrechtigung wurde der Bus hinter das Fahrrad eingeordnet. Das hat viele Vorteile (und kommt wahrscheinlich sogar dem Busverkehr zugute).

5. Die Fahrradfahrer halten sich sehr genau an die Hauptregeln des Straßenverkehrs, es gibt ein paar Handzeichen, die jeder gibt (beim Abbiegen oder beim Aufstellen zu Linksabbiegen). Ampeln werden respektiert. Die Mehrheit fährt ein ähnliches, na, ja, ziemlich zügiges, aber kein hoch sportliches Tempo. Wer schneller ist und mal nicht gleich vorbeischießen kann, bleibt halt eine halbe Minute klaglos hinter den langsameren.

Jetzt hat Kopenhagen einen weiteren Schritt schon zum Teil realisiert und ist dabei das zügig weiter auszubauen: Super-Cycle-Highways, die strahlenförmig als möglichst kreuzungsfreie Schnellfahrradwegen die weiter außerhalb gelegenen Orte nach Kopenhagen hineinverbinden. Mit E-Bikes und Pedelecs sind das -wie bei uns mit gelegentlichen Steigungen – selbst bei 20 km und mehr Entfernung keine großen Probleme mehr.
Schöne und überraschend dort (und wahrscheinlich bei uns): Die meisten dieser Highways waren schon da. Man musste die vorhandenen Radwege nur noch verbinden, Fehlstücke ergänzen, alles Schritt für Schritt ausbauen, dann gut markieren, und an manchen einsamen Stellen z.T. bei Nacht mit Anforderungslicht beleuchten. Wenn man dann diesen Haupt-Trassen einen guten Namen gibt, sie wirlich durchgehend und sicher macht, von Herrenberg (….Reutlingen, Hechingen etc.) bis mitten nach Tübingen und so gekennzeichnet, dass jeder den Weg auf Anhieb auch findet: Das wäre ein tolles Stück Gemeinschaftsarbeit von Tübingen, dem Landkreis und den Nachbargemeinden und Kreisen gemeinsam. Da dürfte es viel Bereitschaft geben.

Wir sind sicher, diese kurze Reise nach Kopenhagen war ihr Geld mehr als wert. Gemeinsam Neues beobachten und laut darüber nachdenken, das ist eine der fruchtbarsten Übungen.

Schauen Sie sich den kleinen Film auf Facebook an:

https://www.facebook.com/tuebingerliste/posts/639841202863125

Diesen Beitrag teilen