BuehlColl

Kurz vor 17 Uhr, Feierabend-Verkehr. Wir sind ein vierrädriger Punkt in diesem 16.000-gliedrigen lärmenden Blechwurm, der sich täglich durch den Ort schlängelt. Sorry, Bühl. Dafür sitzen wir zu viert in einem Auto: Claudia Braun, Ernst Gumrich, Reinhild und Reinhard von Brunn. Auf uns warten schon Ortsvorsteher Gerhard Neth, unser Bühler Mitglied Peter Bosch, Annerose Langer und Christian Bareth. Verstärkung erhalten wir von unseren Mitgliedern Klaus Dieter Hanagarth, Ulrich Kurz und Margot Hamm von der Freien Wählervereinigung im Kreistag.
Der Verkehr, das ist nicht zu übersehen, ist das Problemthema Nr. 1 in Bühl. Wir kommen kaum über die Hauptstraße, als wir vom Schloss in Richtung Trasse B28/neu streben. Doch schon auf dem Weg dorthin stolpern wir über ganz massive Steine des Anstosses: Seit Dezember 2013 fahren an Spitzentagen bis zu 200 schwere Lkws (3-Achser mit 40 Tonnen) auf der bis dahin beschaulichen Knollstraße. Sie donnern im engen Begegnungsverkehr über die Gehwege, wirbeln Staub auf und verschrecken die Kinder auf dem Weg zum Kindergarten. Sie karren Erdaushub, Steine und Abbruchmaterial zum und vom Queck-Gelände auf Rottenburg-Kiebinger Gemarkung, das dort zwischengelagert wird. Ein untragbarer Zustand für die Anwohner, der nach Abhilfe schreit.

Die Meinungen zur B28/neu gehen im Ort auseinander, je nach Betroffenheit. Weitgehend einig ist man sich jedoch, dass die den Ort abschirmende Lärmschutzwand bis zum Bahnübergang verlängert werden muss. Es könne nicht angehen, dass Flora und Fauna im nahen Naturschutzgebiet “Oberes Steinach” durch einen hohen Erdwall geschützt, während – nach bisheriger Planung – am Lärmschutz für zahlreiche Familien gespart werden soll.

Wir erfahren auf unserem Rundgang auch viel Erfreuliches: Die zahlreichen Vereine – Sport, Musik und Fasnet – sind sehr erfolgreich und leisten hervorragende Jugendarbeit. Es gibt im Ort 27 barrierefreie Wohnungen, und die Nachbarschaftshilfe für ältere Menschen erfolgt solidarisch und gut. In einem katholischen und einem Gemeinde-Kindergarten wachsen Kinder heran, welche die Montessori-Grundschule noch lange nicht arbeitslos machen werden. Viele Verbesserungen im Ort sind nur dank enormer Eigenleistungen der Bevölkerung zustande gekommen, sei es bei der Spielplatz-Renovierung oder jüngst bei der Komplettsanierung von gleich zwei Sportplätzen.

Doch eine Sorge drückt die Bühler noch: der Schutz vor einem neuen Hochwasser aus dem Bühler Talbach. Zuletzt rauschte der 2003 durch den unteren Ort, und extreme Wetter-Situationen scheinen zuzunehmen. Grundsätzlich sind sich Gemeinde, Stadt und Regierungspräsidium wohl einig, dass Handlungsbedarf besteht, und erste Planungen liegen vor. Soll der Schutz auf HQ100 (hundertjähriges Hochwasser) oder nur HQ70 oder HQ50 ausgelegt werden? Wie kann das idyllische Tal vor zu starken baulichen Eingriffen geschützt werden? Diese Fragen werden derzeit im Ortschaftsrat diskutiert.

Auf unserem Rückweg kommen wir am “Hypotheken-Buckel”, einem Neubaugebiet aus den 1960er Jahren vorbei. Die Schulden dürften mittlerweile abbezahlt sein, und so mancher Tübinger wäre froh, er könnte dort welche machen. Aber auch Bühl hat keine Bauplätze mehr zu bieten.

Wir danken unseren Bühler Gastgebern, allen voran Gerhard Neth, für diesen aufschlussreichen Nachmittag!

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