Leserbriefe
Kontraproduktiv

Der Verkehrsverbund Naldo stellt – wie berichtet und kommentiert – seine gedruckten Fahrplanbücher ein.

Der Naldo-Fahrplan soll in gedruckter Form nicht mehr erscheinen. Es wird davon ausgegangen, dass jeder ÖPNV-Nutzer über ein internetfähiges Smartphone beziehungsweise einen Internetanschluss verfügt. Dass eben die Zielgruppen, die verstärkt auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind – ältere Menschen und finanziell nicht so gut gestellte Mitbürger – diese Medien oft nicht nutzen (können), wird dabei völlig ausgeblendet, diese Bevölkerungsgruppen damit ausgegrenzt.

“Schöne neue Welt” (?): Habe ich nun keine freie Wahlmöglichkeit mehr, wie ich an Informationen komme? Wann stellen Büchereien den Kauf von gedruckten Büchern ein? Ist bald nur noch Online-Banking zulässig und das TAGBLATT lediglich als Online-Version erhältlich? Welches Signal wird vermittelt in einer Zeit, in der eher mehr als weniger Menschen dazu motiviert werden sollen, vom Auto auf Bus und Bahn umzusteigen? Diese Maßnahme ist absolut kontraproduktiv, es erschließt sich mir nicht, weshalb es nicht möglich sein soll, den Fahrplan – von mir aus in abgespeckter Form, kleinerer Auflage und gegen eine etwas höhere Schutzgebühr – weiterhin abzugeben? Ich finde, das wäre Naldo seinen überwiegend langjährigen Kunden schuldig und ein Zeichen für Kundenfreundlichkeit.

Claudia Braun, Tübingen

Quelle

Verlag : Schwäbisches Tagblatt GmbH
Publikation : Schwäbisches Tagblatt – Tübingen
Ausgabe : Nr.233
Datum : Donnerstag, den 09. Oktober 2014
Seite : Nr.26

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