Claudia Braun von der Tübinger Liste ist die Leiterin der Beratungsstelle für ältere Menschen und deren Angehörige. Sie kämpft schon lange gegen das Vorurteil, in Tübingen gebe es nur junge Menschen. Denn auch hier werden immer mehr Einwohner immer älter.

Entsprechend wächst der Bedarf an Pflegeplätzen. Der Bau stationärer Pflegeplätze braucht viel Zeit. Schon jetzt gibt es Wartelisten. Die Tübinger Sozialkonzeption beziffert dies konkret. Die Stadtverwaltung informierte den Kultur-, Bildungs- und Sozialausschuss (KUBISS) des Tübinger Gemeinderats und schlug drei Modelle vor:

Die “Tübinger Strategie”

Stationäre Pflege soll nicht allein durch große Heime gesichert werden, sondern durch möglichst kleine dezentrale Einheiten und im vertrauten Lebensumfeld der Pflegebedürftigen.

Seniorengerechte Quartiere und Teilorte

Senioren sollen so lange wie möglich nicht auf einen stationären Pflegeplatz angewiesen sein. Dazu dienen zum Beispiel Wohngemeinschaften, Netzwerke auch in den Teilorten, Besuchsdienste und ähnliches mehr.

Pilotprojekt Hagelloch

Wie Pflege in einem Teilort und also im vertrauten Umfeld gestaltet werden kann, soll in Hagelloch herausgefunden werden. Ortsvorsteher Martin Lack stellt sich eine Verbindung von Seniorenwohnungen und Pflegeplätzen vor. Der Rückhalt in seinem Ort sei groß, er habe schon zwei Schenkungen erhalten. Lack: “Die Leute wollen im Ort bleiben.”

Nach dem Kreispflegeplan von 2015 fehlen in Tübingen im Jahr 2020 bis zu 260 stationäre Dauerpflegeplätze. Die Stadt hat nun eigene Berechnungen angestellt. Demnach fehlen 2020 lediglich 135 Plätze, 2025 aber 204 und im Jahr 2030 bereits 279 Plätze in der Summe von Angebot und Bedarf.

Wenn Menschen keinen Platz in ihrem Wohnort fänden, gehe das Konzept nicht auf. Braun sagte: “Der Druck ist hoch.” Die Stadträtin der Tübinger Liste ergänzte: “Es fehlen nicht nur stationäre Langzeitplätze, sondern auch Kurzzeitpflegeplätze.” Auch müssten Lösungen gefunden werden, wenn pflegende Angehörige mal in Urlaub gehen. Auch Menschen, die noch jung sind und Pflege brauchen, finden nur Platz in Seniorenheimen. Das ist nicht optimal.

Hier die Vorlage für den Gemeinderat und ihre Anlage

Und ein Artikel aus dem Schwäbischen Tagblatt vom 22. September 2016

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