Keine ganzen und erst recht keine halben Sachen

Plötzlich und über Nacht ist die Innenstadtstrecke nur noch halb so lang und halb so teuer. Das ist ein unguter Witz mit Anlauf: 2010 sollte die ganze Strecke vom HBH bis WHO noch insgesamt € 85 Mio. kosten. Jetzt wurden daraus im Mai 2018 geschätzte € 232 Mio. und dies 12 lange Jahre vor Fertigstellung. Die Tübinger Liste setzte durch, dass die Bürger 2020 in einem echten Bürgerentscheid über das Projekt Innenstadtstrecke selbst entscheiden und vorher keine weiteren Fakten geschaffen werden.

€ 232 Mio. sind den Bürgern nicht mehr vermittelbar, selbst wenn man die Förderbeträge abzieht, das fand wohl auch der Oberbürgermeister und erfand schnell die „halbe Bahn für schlappe € 117,5 Mio.” Nur noch bis zur Morgenstelle, und dann „schau´n wir später mal“, ob wir das irgendwann fertigbauen? Mit uns wird das nicht so laufen. Wer das Projekt weiterhin will und leider ist es noch eine solide Mehrheit im Gemeinderat, die diese Innenstadtstrecke gegen unsere vielen Argumente durchsetzen will, der muss schon bitte die ganzen Kosten verteidigen.

Wir sollten immer den kompletten Preis der neuen Tübinger Hose, Modell Innenstadtstrecke nennen, deren eines Hosenbein den Tübingern jetzt zum Schnäppchenpreis offeriert wird. Sie kostet mit beiden Hosenbeinen und mit Verlaub € 232 und nicht € 117,5 Mio. Die Preissteigerungen bis 2030 lassen wir jetzt sogar höflich weg, andere Großprojekte sollten uns aber sehr vor Blauäugigkeit warnen.

Ernst Gumrich, 11. Juni 2018

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