Dänemark baut Straßenbahnen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geringer Nutzen einer Stadtbahn: “Von täglich 50000 Einpendlern in Tübingen wohnt nur ein Viertel direkt an den Regional-Stadtbahnlinien und will zugleich zu einem Ziel an der Innenstadtstrecke.” (Baubürgermeister Soehlke). Im Klartext: kaum 12.500! Einpendlern nützt die Tübinger Stadtbahn.

Machen wir einen Fehler, wenn wir die Innenstadtstrecke der Regionalstadtbahn ablehnen?
Wir lesen auch Artikel, die unsere Meinung erschüttern könnten.

So heute einen Artikel über Aarhus, Kopenhagen und Odense in Dänemark (https://www.nahverkehrhamburg.de/strassenbahn-feiert-renai…/)

Aufgeweckte Menschen dort. Da entstehen Straßenbahnen oder wurden kürzlich fertiggestellt.

Müssen wir jetzt umdenken? Wir würden unsere Position revidieren, wenn gute Argumente auftauchen. Der Artikel bestätigt aber unsere Sicht jedoch nochmals. Wer genau liest und dann noch Goggle Earth zu Rate zieht, wer die fertige Strecke in Aarhus bzw. die geplanten in Kopenhagen und Odense am Bildschirm im Zoom verfolgt, der stellt fest:

  1. Die machen genau das, was wir mit der Reginoalstadtbahn vorhaben und unterstützen: Die Region mit einer vernetzten Bahn tangential an die Innenstadt heranzuführen. Das macht Sinn. Hinein in den alten Kern der Städte übernehmen andere Angebote den Transport, wie der Bus und Fahrräder. Genau das wollen wir für Tübingen.

2. Überall führt die Strecke auf eigenen Rasengleisen. Vom Auto- und Fahrradverkehr sind sie vollständig (bis auf 2-3 große Kreuzungen) entflochten. Das schaffen wir in der Innenstadt nicht.

3. In Dänemark ist der Platz nicht so knapp, bei uns schon: Das lässt die Kosten hochschnellen. Und große Brückenbauwerke wie in Tübingen die Neckarbrücke und Schnarrenbergzufahrt entdeckten wir bei unserem Google Earth Überflug auch nicht.

4. In Aarhus kostete jeder Kilometer vor ein paar Jahren etwa 30 Millionen Euro/km. Das würde die Prognose in Tübingen etwas blaß aussehen lassen (4,1 km zur Morgenstelle wären dann für einen Kilometer  beim Dreifachen: eher bei € 123 Mio als bei € 100 Mio.).

5.  Der Umstieg der Autofahrer klappt auch nicht so grandios wie es hier oft für Tübingen unterstellt wird: “6 pct. er skiftet fra bil til letbane”. 6% der Autofahrer sind in Aarhus vom Auto auf die Stadtbahn umgestiegen. Einen guten Teil davon holen wir in Tübingen mit der Regionalstadtbahnbis zu den Haltestellen Derendingen, Behördenzentrum, Hauptbahnhof, Westbahnhof, Güterbahnhof und Au-Ost ja ohnehin auch auf die Bahn und vom Auto weg. Wieviele Autofahrer mehr lockt da noch die Weiterfahrt zu den Kliniken? Unsere Zahlen deuten an, dass dieser relativ kleine Effekt die Folgen für Tübingen nicht rechtfertigt.

6. Jedenfalls in Aarhus wurde das Umfeld der “Leichtbahn” perfekt für die Radfahrer gestaltet. Da war Platz, und jetzt sind Radfahrer wirklich vom Autoverkehr und der Bahn getrennt auf sicheren Wegen. Bei uns sieht es anders aus. Ganz anders.

Ernst Gumrich, 30. Oktober 2018

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