Stadtbahn: Nummer 1 bei den Themen des Jour fixe

Lust auf ungefilterte Information

Was reizt unsere Gäste, selbst bei Gewitterschwüle und Biergarten-Geplauder auf der Terrasse zum Jour fixe zu kommen? „Ich kriege hier ungefilterte Information!“ Das lockte Gottlob Munz am 9. Mai ins Bootshaus.

Gastgeber Reinhard von Brunn fragte beim Jour fixe in die Runde, wo die Tübinger der Schuh drücke. Da tauchte zwar ein ganzer Strauß an Themen auf: Europa-Platz, Feuerwehrhaus Lustnau, TÜBus umsonst, die Bäderlandschaft, die Pflicht zur Installation von Photovoltaik-Elementen und der Wunsch nach einem Konzertsaal. Aber keins erregte die Gemüter mehr als die Stadtbahn.

Interessant: Die Aufregung um oberbürgermeisterliche Ausrutscher, die seit 14 Tagen Leserbriefseiten füllt, prallte am 9. Mai an den Wänden des Bootshauses ab: „Nur peinlich. Jedes Wort ist zu viel!“

Die Stadträte Gebhart Höritzer und Christian Wittlinger blieben keine Antwort schuldig, und der Vorsitzende der Tübinger Liste, Reinhard von Brunn verneinte die Existenz von Filtern ganz entschieden. Deshalb versprachen die Gäste gern, beim nächsten Mal wieder zu kommen. Einen Themenwunsch für den 18. Juli brachten sie gleich ein: günstig Wohnen.

Hier das Wichtigste in Kürze

Die Stadtbahn: Was ist da faul?

Die versprochene Information für die Tübinger Bürgerschaft wurde von 2017 auf April 2018, dann auf Mai und nun offenbar auf Herbst verschoben. Sie wird seit drei Jahren für 1,2 Millionen Euro von externen Ingenieur- und Planungsbüros vorbereitet. „Warum dauert das immer noch länger? Da ist doch was faul!“ mutmaßten einige.

Alle wollten wissen, wieviel Kosten auf die Stadt zukommen werden (bisher rechnet man mit mehr als 100 Millionen Euro), wie technische Probleme gelöst werden wie die Steigungen hinauf zum Klinikum, die Ausschleifung aus dem Bahnnetz, enge Kurven, Nadelöhre wie Neckar-Brücke und Mühlstraße. Stadtrat Christian Wittlinger erinnerte zudem an das Vorhaben, in der Schnarrenbergstraße ein mindestens vier Meter breites Grasbett für die Stadtbahn einzurichten, was für den restlichen Verkehr kaum mehr Raum lasse.

Gebhart Höritzer, der sowohl Kreistagsmitglied als auch Stadtrat ist, wusste zu berichten, dass der Kreis sich an der Finanzierung nicht beteiligen wird. Dass die Bundes-Finanzierung des Moduls 1 der Regionalbahn (Elektrifizierung der Strecke Bad Urach – Herrenberg) im Herbst 2018 in Aussicht stehe. 2021 oder 2022 ist mit der Realisierung zu rechnen.

Modul 2 in Richtung Süden hält er für noch wesentlich wichtiger: Hechingen – Sigmaringen. Erst wenn dieses Modul erledigt ist, kommt Tübingens Innenstadt-Strecke dran. Der früheste (!) Beginn einer Innenstadt-Bahnstrecke steht 2030 in Aussicht. Der Anschluss an den Technologiepark Obere Viehweide, auf dem 3500 Menschen arbeiten werden und an das Wohngebiet Waldhäuser Ost hat damit absolut noch nichts zu tun. Wer also diese Gesamt-Vision verkauft, wie der Fraktionschef der Grünen am 21. März in der Marquardtei, handelt mit reichlich unreifen Äpfeln.

Alfred Biesinger gab zu bedenken, dass bis 2030 neue Bus-Systeme, autonome Ruf-Taxis und andere flexiblere Modelle zur Verfügung stehen werden. Tel Aviv testet ElectRoad, ein kabelloses Aufladen von Bussen während der Fahrt. Das imponiert Doris Ufer.

Im schweizerischen Sitten/Sion fährt der Postbus seit 2016 ohne Fahrer.  Für die Prüfung von Alternativen zur Stadtbahn, das hat die Tübinger Liste durchgesetzt, stehen 60.000 Euro zur Verfügung.

Alle waren sich einig: Wenn der Bürgerentscheid dann endlich komme, sei darauf zu achten, dass die richtigen Fragen an die richtigen Personen gestellt werden! Das Riesenprojekt soll vor allem die Einpendler zu den Kliniken begünstigen. Doch Tübinger werden von der Stadtbahn kaum profitieren, ebensowenig die Bürger der Ortsteile. Einziger Nutzen vielleicht: weniger Staus in den Spitzenzeiten.
Quod sit demonstrandum!

Busbahnhof mit Konzertsaal am See: bitte ein Modell!

Positiv wurde aufgenommen, dass die Fernbusse nun doch im Norden des Bahnhofs landen dürfen, eine wichtige Anregung der Tübinger Liste. Günstig für alle, die von Westen anfahren: 80 Parkplätze stehen zur Verfügung! Wünschenswert wäre eine Verbindung von der bisherigen Post-Tiefgarage zur der des Busbahnhofs. Ob das Niveau des Vorplatzes so angehoben werden darf, dass der Fahrgast barrierefrei zum Gleis kommt, muss der Denkmalschutz noch prüfen.

Dass die Fahrräder vom Bahnhofsvorplatz verschwinden sollen, forderte sogar der Jugend-Gemeinderat! Für die Räder ist eine Tiefgarage mit Werkstatt und Café vorgesehen.

Viele Vorzüge hätte ein Konzertsaal am See, am besten auf dem Grundstück des ehemaligen Gesundheitsamtes. Allerdings fordert der Eigentümer, das Land Baden-Württemberg, einen gleichwertigen Ersatz für die Universität.

Um sich das komplexe Vorhaben Busbahnhof besser vorstellen zu können, baten mehrere Gäste um ein dreidimensionales Modell.

 

Wie habt Ihr’s mit der Photovoltaik (PV)?

Die Tübinger Liste will es den Eigentümern überlassen, ob sie in eine PV-Anlage auf dem Dach investieren. Die Ortschaftsräte, deren Neubaugebiete mit dieser Auflage belegt werden sollen, lehnen einen Zwang ebenfalls mehrheitlich ab. Gebhart Höritzer als Mann vom Dach-Fach fürchtet Einbau-Mängel, weil gerade das Einfügen der PV-Elemente besonderes Geschick erfordere.

Christian Wittlinger und Alfred Biesinger sehen Vorteile in einem Leasing-System: Die Stadtwerke Tübingen sollen die Anlagen bauen und nutzen, damit der Häuslesbauer nicht zu viel Strom selbst verbrauchen muss. Denn die Einspeisung ins Netz ist begrenzt. „Wer will schon auf Kommando heizen, Wäsche trocknen oder backen, wenn zu viel Sonne scheint?!“

 

Waldhäuser Ost (WHO) hat heute nur noch die Hälfte ihrer ursprünglichen Bewohner

Ortsbeirat Klaus Dieter Hanagarth berichtete kurz vom Stand der Bürgerbeteiligung für die Umgestaltung von WHO. Das 50 Jahre alte Wohngebiet war ursprünglich für 10.000 Menschen geplant. Doch heute leben dort nur noch 5.000 Bewohner, nicht etwa, weil der Stadtteil weniger attraktiv wäre, sondern weil die Ansprüche an Wohnflächen deutlich steigen.

Wünsche gibt es dennoch: bessere Nahversorgung im Einkaufszentrum, Barrierefreiheit, mehr Grünflächen, weniger Autobahn ähnliche Ringstraßen. Im Rahmen des Förderprogramms „Soziale Stadt“ diskutiert das Baudezernat mit den Bewohnern in mehreren Bürgerbeteiligungsrunden. Die größte Kontroverse: Die Stadt würde gern Flächen verdichten, Blocks bauen, und viele Bewohner wollen genau das nicht.

 

Alle wollen baden gehen, bloß wo?

Auch auf die Gefahr hin, es mit den Fans des Uhlandbades zu verscherzen, hat sich die Tübinger Liste dazu durchgerungen, ein neues Süd-Bad vorzuschlagen. Das Uhlandbad müsste dann einem neuen Zweck zugeführt werden, denn drei Hallenbäder kann sich Tübingen nicht leisten.

Die Alternative: Teure Sanierung des Uhlandbades, teure Traglufthalle für zwei Jahre, dann weiterhin zu kleine Flächen für immer mehr Einwohner. Und das ist eigentlich keine Alternative.

Für das Südbad favorisiert werden zwei Standorte: im Neckartal in der Nähe des Freibades, um gegebenenfalls Infrastruktur gemeinsam zu nutzen, oder hinter dem Wildermuth-Gymnasium. Oberbürgermeister Palmer malte mit dem Projekt Südbad mit 50-Meter-Bahn das finanzielle Desaster von 20 Millionen an die Wand. Doch ob auch 25 Meter Bahnenlänge reichen würden, soll noch diskutiert werden.

Siehe Artikel vom 9. Mai im Schwäbischen Tagblatt:

<<Hat das Uhlandbad noch eine Zukunft?

…Arbeitskreis Bäder und die Stadtwerke legten dem Sozialausschuss des Gemeinderats die Situation der Schwimmbäder dar. Kommt ein neues Hallenbad Süd? Bleibt das Uhlandbad erhalten?

Die Tübinger sind recht badelustig“, begann Frank Raible seinen Vortrag am Montagabend im Kultur-, Bildungs- und Sozialausschuss des Tübinger Gemeinderats. Auf der Tagesordnung stand die Bäderkonzeption – und damit die Zukunft der Wasserflächen in der Stadt. Raible, bei den Stadtwerken zuständig für Bäder, widmete sich dem Ist-Zustand: „Wir verzeichnen in den Bädern eine sehr hohe Flächenbelastung.“ Er zeigte ein Schaubild, wonach in Tübingen mit über 100 etwa doppelt so viele Freibadbesucher auf einen Quadratmeter Wasserfläche kommen wie in Reutlingen oder Baden-Württemberg. In den Hallenbädern sind es mit über 400 Besuchern pro Quadratmeter Wasserfläche auch doppelt so viele wie im Bundesschnitt.

Noch nicht das große Bäder-Fass

Zu Wort kam neben Raible auch Thomas Fischer als Vorsitzender des Schwimmvereins …nicht nur im Namen seines Schwimmvereins, sondern des gesamten Arbeitskreises Bäder (AK Bäder), an dessen rundem Tisch auch der Post-SV, die DLRG-Ortsgruppe, die Rheumaliga und eine Delegation der Tübinger Schulen sitzen. Die Stadtverwaltung und die Stadtwerke sind ebenfalls beteiligt.

Dass sich etwas ändern muss, hat der AK Bäder in seinem Positionspapier deutlich gemacht … …

Variante 1 ist das so genannte Weiterführungskonzept. Uhlandbad und Hallenbad Nord würden saniert und zudem eine Traglufthalle als Provisorium während der zweijährigen Schließzeit auf dem Schwimmerbecken des Freibads errichtet. Die Kosten hierfür betrügen nach ersten Schätzungen etwa 10,5 Millionen Euro, die aber die ebenfalls fällige Sanierung des Hallenbads Nord noch nicht enthalten.

Variante 2 ist das so genannte Südbad-Konzept. Es sieht vor, zwischen Freibad und Festplatz ein neues Hallenbad für den Süden der Stadt zu errichten. Bis es gebaut wird, könnte das ebenfalls dringend sanierungsbedürftige Uhlandbad mit ersten Maßnahmen fit gemacht werden, damit es bis zur Eröffnung des neuen Hallenbads durchhält. Die Kosten dieser Variante: zwischen 12,3 und 14,3 Millionen Euro. Soll das neue Schwimmbad eine absenkbare 50-Meter- statt einer 25-Meter-Bahn erhalten, könnten weitere 5 bis 6 Millionen Euro hinzukommen.

Bei letzterer Variante würde das Uhlandbad dann geschlossen – die Einsparung seiner Betriebskosten ist in den ersten Berechnungen mit berücksichtigt. Das Gebäude käme dann für eine andere Nutzung in Frage. Das gefiel manchem Stadtrat jedoch nicht: „Ich denke, eine Weiternutzung des Uhlandbads sollten wir einbeziehen“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Sökler. Zwei Sachen seien jedoch aus seiner Sicht „nicht abweisbar: Es gibt Sanierungsbedarf und wir brauchen mehr Wasserflächen.“

…Lorch regte zudem an, das Uhlandbad in keinem Fall zu schließen – sondern etwa als medizinisches Schwimmbad weiterhin zu nutzen. Dies unterstrich Fraktionskollegin Gerlinde Strasdeit: „Schwimmen und Wasser sind für uns eine Daseinsvorsorge. Wir sind dagegen, ein Schwimmbad dazu zu bauen und ein anderes zuzumachen.“

Die Stadtverwaltung will nun mit allen Akteuren im Gespräch bleiben und die Planungen vorantreiben. Über eine ganz großen Lösung – neues Hallenbad Süd plus Sanierungen des Uhlandbads und des Hallenbads Nord – will man nicht sprechen: „Diese Variante sieht der AK Bäder nicht vor“, heißt es dazu seitens der Stadtwerke.>>

 

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2 Kommentare

  1. Die PARTEI Tübingen
    12. Mai 2018 zu 13:57 Antworten

    Beim nächsten Mal die Seilbahn besprechen. Wir können nicht eweig warten. Spätestens bis 2022 muss das Ding aufs UKT herauf fahren!

  2. Annette Wynne
    13. Mai 2018 zu 19:12 Antworten

    Ich bin auch extrem dafür, das „Transportmittel der Zukunft“, die Seilbahn, ernsthaft in den Themenkatalog aufzunehmen.
    Palmer und „Die Grünen“ sind dagegen. Keine Ahnung warum sie das rückwärts gewandte Monster favorisieren. Der ÖPNV ist ein Saurier in Tübingen.

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