Nymphenplatz bleibt weiterhin ein Räderhaufen
Das Argument Stadtbahn ist halt gar zu bequem

Der Nymphenplatz ist jetzt auch offiziell unter die Räder einer Bahn gekommen, die dort nach unserer Meinung nie fahren sollte. Im Tagblatt-Interview vom 1.4.2017 wird Baubürgermeister Cord Soehlke folgendermassen zitiert:
“Noch nicht 2026, sondern wohl eher in den 2030er Jahren wird die Regionalstadtbahn durch Tübingen fahren – wenn sie denn jemals fährt.”

Jetzt haben wir 2017. Bis Anfang der 30er Jahre sind es noch 15 Jahre hin. Diese 15 bis 20 Jahre könnte man uns Tübingern und all unseren Gästen an einem der städtebaulichen und touristischen Hotspots mit einer relativ kleinen Investition von , sagen wir einmal rund 200.000 Euro (davon ein Teil Fördermittel), verschönern. Radständer weg, kleine Blumenanlage, ein paar Bänke……
“Für mich ist die vorgeschobene Stadtbahn -die dank Tübinger Liste nie kommen wird- ein Feigenblatt-Argument, um weiterhin untätig zu bleiben”, meint Reinhard von Brunn, Vorsitzender der Tübinger Liste.
Ähnlich verhält es sich mit der Toilettenanlage in der Clinicumsgasse: da will man einfach nicht ran und erfindet seit Jahren Ausflüchte und Hindernisse. Stattdessen werden bei jeder Chocolart, Weihnachtsmarkt, Umbrisch-Provenzalischem Markt und Stadtfesten die unschönen und stinkenden Clo-Container auf den südlichen Vorplatz der Stiftskirche gestellt, direkt gegenüber zum Kirchen-Nebeneingang.

Seit langem zugesagt war die Wiederbelebung des Nymphenplatzes. In der Vorlage zum Sanierungsgebiet Altstadt wurde sie wieder einmal verschoben. Angeblich reichten die Zeit und das restliche Geld im Fördertopf nicht mehr. Weil das eine erkennbar vorgeschobene Antwort war, hakten wir im Ausschuss nach und erinnerten an die Zusagen der Verwaltung.

Und siehe da, da kam dann im zweiten Anlauf endlich die wahre Antwort: Für die Straßenbahn müsste die Neckarbrücke weg und damit auch der Nymphenplatz. “Das sah auch Ernst Gumrich (Tübinger Liste) ein, dem die Gestaltung dieses Platzes eine wichtige Angelegenheit ist,” zitiert das Tagblatt vom 23. Oktober 2017 ziemlich entstellend diesen Frage-Antwort Austausch. Wir akzeptieren diese Antwort natürlich nicht, wir waren nur froh, dass die lächerlichen und vorgeschobenen Argumenten endlich vom Tisch genommen wurden. “Das ist endlich der wahre Grund”, stellen wir fest.

Wenn sich frühestens am hinteren Ende der 2020er Jahre, wahrscheinlich sogar erst so etwa 2030/31 die erste Regionalstadtbahn hinter der dann massiv verbreiterten, völlig neuen Neckarbrücke in das Nadelöhr Mühlstraße zwängen wird, würden wir ein halbes Jahrzehnt massiver baulicher Umwälzung der Tübinger Innenstadt hinter uns haben, dabei wahrscheinlich den Innenstadthandel ganz kaputt gemacht und die Stadt bis weit über die Halskrause verschuldet haben. Wofür? Um mit sehr großer Wahrscheinlichkeit die allerletzte Innenstadt-Straßenbahn der Welt in Betrieb gesetzt zu haben, dann ein Technikfossil des vorletzten Jahrhunderts.

 

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