Stadtplaner: „Tübingen 31“ kaum besser als „Stuttgart 21“

Da hat uns einer aus der Seele gesprochen!
>>Der Knaller kam zum Schluss: Ein Zuhörer der Tübinger Ringvorlesung „Architektur Heute“ fragte den Stuttgarter Stadtplaner Steffen Braun, ob er auch etwas zum Tübinger Stadtbahnprojekt („200 Millionen Euro für relativ starre Schienen für die nächsten 200 Jahre“) sagen könne. Vor zirka 150 Interessierten im Kupferbau erwiderte Braun am Dienstagabend, die Tübinger Pläne setzten wie Stuttgart 21 auf selbstverliebte Ingenieurskunst. Doch die flexiblen Mobilitätsbedürfnisse der Zukunft erforderten keine fixe Stammstrecke, sondern flexible Lösungen: Damit auch Bewohner städtischer Randlagen ohne eigenes Auto mobil sein können – und ebenso die wachsende Zahl junger Leute, die gar keinen Führerschein mehr machen. Die zentrale Frage sei: „Wie kann ich die Mobilitätsbedarfe in zehn Jahren abdecken?“ – von der Kostenexplosion bei Stuttgart 21 ganz zu schweigen.<< So schreibt Dorothee Hermann im Schwäbischen Tagblatt vom 5. Dezember 2019.

Wir beschäftigen uns mit den rasanten technischen Veränderungen der Mobilität, besuchen Kongresse und halten uns informiert. Fraunhofer sitzt in Stuttgart und damit ganz in unserer Nähe. Inzwischen sind die Fraunhofer-Institute sogar ein Teil der Cyber Valley Initiative geworden, weil sie sich besser als andere Forschungseinrichtungen darauf verstehen, neuen technischen Erkenntnissen den entscheidenden Weg in die Realität, in Produkte und Märkte zu weisen und so deren Umsetzung erst zu ermöglichen. Diese Wissenschaftler beobachten ganz genau, was in der Industrie aktuell, oft noch hinter verschlossenen Türen passiert. Leider nutzen die begeisterten Eisen-Straßenbahner unseres Regionalstadtbahn-Projekts die Chance nicht.
Den Forschern und engen Industriebeobachtern des Fraunhofer ist so klar wie uns und vielen Tübingerinnen und Tübingern: In den Jahren 2030 – 2100 wird die innerstädtische Mobilität nicht mehr sinnvoll von Straßenbahnen geleistet: Zu starr, zu inflexibel, viel zu teuer. Bis weit über das Jahr 2100 hinaus müsste eine Straßenbahn aber durch Tübingen fahren und „Geld verdienen“, um seine hohen Investitionen von wahrscheinlich über einer Viertelmilliarde Euro überhaupt wieder hereinzuholen. Glaubt das ein Mensch? 

Die Gleis gebundene Innenstadtstrecke „Tübingen 2031“ wäre keinen Deut besser als „Stuttgart 21“. 

https://www.tagblatt.de/…/Nix-fuer-die-Mobilitaet-der-Zukun…
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Aus dem Artikel:

>>Die Gesellschaft soll die Digitalisierung gestalten
Für den Stuttgarter Urbanitätsforscher Steffen Braun geht Digitalisierung weit über technologische Finessen hinaus. „Die Digitalisierung geht auch nicht mehr weg. Sie ist ein dauerhaftes Zukunftspotenzial unserer Gesellschaft, und das müssen wir gestalten“, sagt er. Digitalisierung verändere die lokale Wertschöpfung und flexibilisiere die Arbeitsformen: „Man wird zuhause arbeiten, im Büro und in Co-Working-Spaces“, so Braun. Die Digitalisierung begünstige die Entwicklung von dezentralisierten Systemen – auch in der Architektur: Standardisiertes Bauen werde durch individualisierte Plus-Energie-Häuser abgelöst.<<

… deshalb fordern wir seit Jahren, dass Tübingen sich das Ziel setzt (und Geld bereit ist dafür in die Hand zu nehmen) in einigen Jahren praktisch jedes Haus an Glasfaser angeschlossen zu haben.

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