10. Oktober 2018

Eine Bausünde folgt der anderen

  1. Der Erste Bürgermeister Cord Soehlke spricht vom angestrebten „Mehrwert“ für den Österberg und für seine BewohnerInnen durch die Bebauung des SWR-Areals. Das kommt mir doch sehr bekannt vor: Gleiches wurde uns BewohnerInnen der Gartenstraße versprochen, als die sehr verdichtete Bebauung der Hundskapfklinge anstand. Es wurde sogar ein Rahmenplan für die Gartenstraße erstellt, unter viel beachteter Bürgerbeteiligung erarbeitet und vom Gemeinderat verabschiedet. Die dort zur Aufwertung vorgesehenen Maßnahmen wurden nie umgesetzt. Stattdessen haben wir: mehr Verkehr, zugeparkte Grünflächen, Eingriff in die angeblich geschützte grüne Mittelhangzone am südlichen Österberg, eine dichte Bebauung, die heute unwidersprochen als Bausünde bezeichnet wird, und weitere massive Verdichtung am Werkhof. Und die Orchideen, die am Hang wuchsen, sind auch auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Mehrwert hört sich nach rational und regelhaft erhobenem Maß an. Es stellt sich aber die Frage, wie und von wem dieser Mehrwert gemessen wird. Wie werden z.B. die Naturgüter, Wohn- und Lebensqualität in die Berechnung einbezogen? Die BewohnerInnen des Österbergs sind gut beraten, sich hier gründlich aufklären zu lassen und verbindliche Zusagen zu verlangen.
  2. Nach Aussage von BBM Soehlke ist das SWR-Areal das einzige größere Gebiet in Tübingen, für das er für die nächsten 15 – 20 Jahre Entwicklungspotential sehe. Also wird jetzt schon gebaut und Naturfläche auf unbestimmte Zeit vernichtet. Unbestritten ist, dass mehr und günstiger Wohnraum in Tübingen dringend benötigt wird. Aber was wird aus den Bedürfnissen der nächsten 5, 10, 20 Jahre? Hier besteht dann offenbar kein Spielraum mehr für eine nachhaltige Planung und Entwicklung im Stadtgebiet. Wäre es nicht dringend geboten, dass die Stadt die SWR-Flächen vorhält für zukünftige Generationen, die vermutlich andere Bedürfnisse haben werden und vielleicht auch kreativere Gestaltungsideen als die Bauklotzweise, die momentan in der Stadt vorherrscht? Es sollte nicht sehenden Auges die nächste Bausünde begangen werden.

Cornelia Niederdrenk-Felgner, Tübingen

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