Tagblatt-Podium: wenig Besucher. Aber Freude bei uns.

21. Mai 2019. Noch fünf Tage und Nächte bis zur Kommunalwahl. Dienstagabend im Carré. Miserabel das Wetter, gerade mal 50 unentschlossene Zuhörer, erschöpft die 150 treuen Wahlkämpfer im Publikum, kaum neue Argumente. Aber so ein paar Pointen gab es doch:

Asli Kücük von AL/Grüne: „Wohnraum soll kein Eigentum sein.“ Künert lässt grüßen.

Rudi Hurlebaus von der CDU: „Wir haben in den letzten fünf Jahren mehr Wasserflächen geschaffen.“ (Hm, wo denn das???) Und: „Ich fühle mich in Tübingen sicher. Ich bin ja auch ein Mann.“

Dietmar Schöning, FDP: „Ein Oberbürgermeister darf nicht alles entscheiden!

Gerlinde Strasdeit, Die Linke: „Wir verkraften auch 100.000 Einwohner.“ Und: „Drei Hallenbäder sind kein Luxus!“

Sara de Piedade Gomes von „Demokratie in Bewegung“: „Wir finden Symbolpolitik wichtig, deshalb rufen wir den Klima-Notstand aus und fordern den „sicheren Hafen“.“ Und: Ich fühle mich auch bei Nacht in Tübingen sicher. Die Gefahr lauert zu Hause!

David Hildner (Die Partei): „Wir wollen eine autofreie Stadt wie im spanischen Pontevedra.“ Und: Wir sind die einzige Partei, die garantiert, dass Markus Vogt nicht mehr gewählt wird.

Ernst Gumrich, Tübinger Liste: „Wir bewilligen mehr Projekte als wir im Haushaltsjahr stemmen können. Damit entmachten wir uns als Gemeinderat selber, und die Verwaltung diktiert die Prioritäten.“

Drei junge Leute auf dem Podium brachten Schwung und Witz in den Laden: Hildner mit Jonglage und Provokation, Kücük mit ehrlichem Engagement und Gomes mit Utopien. Und dennoch bröckelte es im Zuschauerraum nach 60 Minuten. Schade, denn die Redaktion des Tagblatt hatte rechtzeitig für ihr Podium geworben. Die Fragen waren gut vorbereitet und stramm auf die wunden Punkte abgeschossen, das Zeitmanagement stimmte. Vielleicht blieben so viele daheim, weil sie sich längst für ihre Kandidaten entschieden oder, wie schon zigtausende, zur Briefwahl entschlossen hatten?

Die Arbeit der Tübinger Liste hat sich gelohnt: Unsere Gedanken sind angekommen!

Die Mitglieder der Tübinger Liste können sich freuen, weil sie im Laufe der letzten sechs Jahren viele kritische Punkte definierten, die heute breit akzeptiert sind:

1. Der Flächenvorrat der Stadt Tübingen ist endlich, und ohne Regionalisierung geht es nicht mehr. Da widerspricht keiner mehr.

2. Gewerbe und Wohnen muss wieder zusammen geplant werden. Am besten unten emissionsarmes Gewerbe, darüber Wohnen. Beifall von AL/Grüne, SPD und Linke.

3. Die Versorgung mit Glasfaserkabeln und Infrastruktur für Elektromobilität muss in jede Bebauungsplanung einbezogen werden. Wie in Ludwigsburg sollten die Tübinger Stadtwerke SWT aktiver werden und eigene Marktfelder besetzen.

4. Alle Ausgaben, so wünschenswert sie sein mögen, müssen finanziert werden. Reserven für schlechte Zeiten tun not. Eine These, an der vor allem die Linke noch keinen Geschmack findet.

5. Die Innenstadtstrecke der Regionalstadtbahn hat seit heute nur noch drei unterstützende Fraktionen: FDP, AL/Grüne und SPD. Alle anderen haben mittlerweile verstanden: Tübingen geht es besser ohne Gleise.

6. Fußgänger sind auch Menschen. Und zwar solche mit bester CO2-Bilanz! Sie verdienen sichere Wege.

Von links: Sara Gomes, David Hildner, Dietmar Schöning, Gerlinde Strasdeit, Ernst Gumrich, Martin Sökler, Rudi Hurlebaus, Asli Kücük, Gernot Stegert

Ähnliche Beiträge

Kommentarfunktion geschlossen.