MITTWOCH SPALTE im Schwäbischen Tagblatt vom 30.September 2015

Tübingen braucht Hospiz

Tübingen hat das Theodor-Haering-Haus – ein Gebäude in zentraler Lage, mit großem Garten, direkt am Neckar. Und seit Jahren fehlgenutzt als Lager für das Depot des Stadtmuseums. Dieses Haus ist geradezu prädestiniert für die Einrichtung eines stationären Hospizes, das in Tübingen längst überfällig ist. Die demografische Entwicklung führt zu einem Anstieg der Zahl alleinlebender und hochaltriger Menschen, Tübingen hat eine ausgezeichnete Gesundheits- und Palliativversorgung. Aber eben kein Hospiz, in dem schwer kranke Menschen ihre letzte Lebenszeit verbringen können, in familiärer Atmosphäre und bei größtmöglicher Lebensqualität.

Dieses Hospiz muss und soll etwas völlig anderes sein als eine Palliativstation im Krankenhauskontext. Der Verein “Ein Hospiz für Tübingen” möchte dies im Haering-Haus umsetzen, dafür kann die Stadt sich glücklich schätzen und sollte den Verein nach Kräften unterstützen, denn ein Hospiz vor Ort ist ein großer Gewinn für die Tübinger Bürger, die bisher nach Eningen ausweichen müssen. Was macht die Qualität dieses Gebäudes und damit seine Eignung aus? Die Lage “mitten im Leben”, im Herzen der Stadt, und nicht außerhalb und in eine Klinik integriert, auch wenn man auf den ersten Blick so manche Synergien vermuten könnte.

Wer das Stuttgarter Hospiz kennt, mit ähnlichem Standort und vergleichbarem Gebäude, ist von dieser Idee überzeugt. Die Tübinger Liste unterstützt den Plan, das Hospiz im Haering-Haus unterzubringen, da damit auch endlich (nach Jahrzehnten!) eine gute Lösung für das Gebäude gefunden ist, die zudem von der Familie des Erblassers unterstützt wird und die testamentarische Zweckbindung erfüllt. Zeitnah die bauliche Eignung des Gebäudes zu überprüfen, ist eine wichtige Grundlage, um die Planung voranzutreiben und keine Zeit zu verlieren.

Die Stadtverwaltung sollte ergebnisoffen vorgehen, die Resultate der Prüfung abwarten, ohne die Machbarkeit im Vorfeld zu bezweifeln. Unabhängig davon sollte die Verwaltung damit beginnen, eine andere Unterbringung für die städtischen Sammlungen zu suchen – die Tübinger Liste hat hierzu Vorschläge unterbreitet, so zum Beispiel die Halle der Spedition Karst & Schlecht. Nun ist es an der Verwaltung, möglichst rasch diese Varianten zu prüfen und den Weg frei zu machen für die Realisierung des Hospizes im Haering-Haus.

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