Tübingen – den Aufschwung der Wirtschaft nutzen

20. Januar 2014

Tübingens Wirtschaft erlebt gerade einen erfreulichen Aufschwung. Solide und innovative Industriebetriebe, breit gefächertes Handwerk und hochmoderne Biotech- und IT – Unter-nehmen schaffen Arbeitsplätze. Die freien Berufe florieren in Tübingen. Mit den Gewerbe- und Grundsteuereinnahmen wird ein bedeutender Anteil des städtischen Haushalts finanziert.

Die Universität wächst im Trend und mit dem Elitestatus weiter. Das Universitätsklinikum und die anderen Kliniken sind regional-, bundes- und in vielen Disziplinen sogar weltweit zu einem anerkannten Gesundheitszentrum herangewachsen. Biotech- und Medizingeräte-Hersteller, moderne Reha-Technik-Betriebe, Optiker, Apotheken und ein Netz hervorragender niedergelassener Ärzte und Psychologen kommen hinzu. Das sichert Arbeitsplätze, bringt Geld in die Stadt. Wir werden uns im Gemeinderat von der Frage leiten lassen: Was fördert diesen größten Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor weiter?

Die städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WIT) muss – vor allem für junge und kleinere Unternehmen – ein wirksamer Lotse durch den Dschungel der Fördertöpfe werden. Sie muss Hilfestellung beim Erhalt einer lebendigen Einkaufs-Altstadt geben und die Großbetriebe dabei beraten, wie sie am Standort Tübingen expandieren können.

Der Einzelhandel behauptet sich knapp in einem schwierigen Umfeld. Dabei bietet Tübingen mit noch außergewöhnlich vielen inhabergeführten Geschäften und einem fast unschlagbaren Ambiente eine wohltuende Ausnahme von den typischen Innenstädten mit den immer gleich langweiligen Großkettenläden. Aber diese Inhabergeschäfte sterben weg. Das nimmt Tübingen sehr viel Lebensqualität und ein Alleinstellungsmerkmal. Überall nur bundesweite Optiker-, Telefon- und Bekleidungsketten will niemand.

Gemeinsam müssen Tübinger Einzelhandel und Stadtverwaltung alles dafür tun, dass das Einkaufen in Tübingen ein größeres Vergnügen als in anderen Städten bleibt oder wird. Dazu brauchen wir vorrangig eine gepflegte Stadt, kostenlose Verweilplätze, vor allem aber den gemeinsamen Willen, Tübingens Vorzüge dann auch nach außen geschlossen und selbstbewusst zu propagieren: Bummeln und Entspannen in der romantischen Altstadt macht richtig Spaß, hier gibt’s Unikate, hier findet man fast alles und noch etwas mehr! Tübingen bietet ausreichend günstige Parkplätze und ist mit allen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen. Wir sind die schöne Stadt der kurzen Wege!

Die Hausbesitzer und Vermieter sollten in diesen Prozess eingeschlossen werden. Das ist nicht einfach, aber wir müssen es mit kreativen Ideen versuchen. Sonst sägen sich die Hausbesitzer am Ende den Ast ab, auf dem sie derzeit vermeintlich komfortabel sitzen.

Der Internethandel hat auch Tübingen verändert. Zum Erfolg unseres lokalen Einzelhandels gehört daher die Möglichkeit, in Zukunft von zuhause online und mit Lieferservice einkaufen zu können. Wer in Hirschau, Pfrondorf oder am weiteren Rand der Innenstadt wohnt, würde wahrscheinlich viel lieber bei Tübinger Händlern statt bei Amazon & Co ordern. Es gibt in Tübingen gute Beispiele, dass es geht (Schüler-Fahrradkuriere). Nachmachen!

Der Aufschwung der heimischen Handwerks- und Einzelhandelsbetriebe muss vom Schwung einer kreativen und zügigen Verwaltung mitgetragen werden. Statt Antragsteller mit lapidaren Ablehnungsbescheiden abzuspeisen, sollte sich die Verwaltung zu allererst fragen: „Wie können wir dem Anliegen zum Erfolg verhelfen?“. Wir fordern Kundenorientierung, kürzere Wartezeiten und eine positive Grundeinstellung zur Förderung der heimischen Wirt-schaft.

Duale Ausbildung sichert Versorgung und Fachkräfte: Der Bäcker, Metzger, Frisör vor Ort, das Bauen, Sanieren und Warten von Gebäuden, das sichere Auto und vieles mehr sind aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Dafür brauchen wir auch in Zukunft geeignete motivierte und geachtete junge Menschen für die handwerkliche Ausbildung, und wir brauchen Facharbeiterinnen und Facharbeiter. Soweit die Kommunalpolitik hierauf Einfluss nehmen kann, sollen schon im Kindergarten Begabungen und Fertigkeiten erkannt und gefördert und dann von den Schulen ausgebaut werden. Eltern, Bürgerschaft und Verwaltung müssen jungen Menschen die Chancen einer dualen Ausbildung als gleichwertig zu anderen Bildungswegen nahe bringen. Lehrbetriebe müssen für ihre Anstrengungen anerkannt und in ihrem Bemühen unterstützt werden, geeignete Auszubildende aufzunehmen oder Defizite auszugleichen und sie an die Ausbildung heranzuführen.

 

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