Tübingen – Mobilität im Hügeligen

Tübingerinnen und Tübinger sind in ihrer Stadt im Bundesvergleich sehr häufig zu Fuß, mit dem Fahrrad und per Bus unterwegs. Machen wir das noch viel attraktiver! Aber kanzelt bitte nicht die ab, die das Auto benutzen wollen oder müssen. Verkehrslenkende und
-einschränkende Maßnahmen müssen sich allein am Gemeinwohl orientieren.

Stadtbahn und TüBus

Tübingens sieben Hügel lassen sich nicht versetzen, viele Straßen sind und bleiben eng.
Wir bezweifeln Sinn und Realisierbarkeit einer innerstädtischen Stadtbahn und befürworten stattdessen die rasche Umstellung auf leise erdgasbetriebene oder Elektrobusse, sobald letztere kommerziell verfügbar sind. Zumal ein guter Teil der heutigen Flotte von alten Dieselbussen mit starren Vorderachsen für alte Menschen und Menschen mit Behinderung eine Zumutung sind. Auch wenn die schnelle Umrüstung teuer ist – sie kostet nur den Bruchteil einer Stadtbahn. Was in Düsseldorf, Osnabrück und Uetersen erprobt wird, kann auch Tübingen voranbringen. Bus-Taktung, Haltestellen und Busgrößen müssen noch ent-schiedener dem tatsächlichen Bedarf angepasst werden.

Mühlstraße und Einbahnring um den Alten Botanischen Garten

Die Mühlstraße soll im derzeitigen Umfang für alle Verkehrsteilnehmer befahr- und begehbar bleiben. Sie wurde im 19. Jahrhundert als wichtige Nord-Süd-Verkehrsachse erschlossen und wird diese Funktion auch so schnell nicht verlieren.
Auch frühere Stadtväter und -mütter haben sich etwas bei dem Einbahnring um den Botanischen Garten gedacht. Solange sich das innerstädtische motorisierte Verkehrsaufkommen nicht drastisch reduziert, ist die Aufhebung des Einbahnringes Flickschusterei. Sie löst unerwünschte Dominoeffekte an anderen Stellen aus. Das Verkehrskonzept ist bereits als dynamische Simulation verfügbar. Sie zeigt, dass es derzeit nichts Besseres gibt.

Parken

Schnell mal in die Apotheke, zum Bäcker oder etwas Schweres abholen – die erste halbe Stunde ist frei! In Parkhäusern und an Parkuhren. Wo heute das Parken bereits ab 20 Uhr frei ist, sollte das für den abendlichen Kino-, Theater-, Konzertbesuch auf 19 Uhr vorgezogen werden. Davon wird Tübingen nicht arm. Aber sympathisch.

Radverkehr

Tübingen ist von einer beispielhaften Fahrradstadt noch meilenweit entfernt. Ein Radwegekonzept, das nur im Schneckentempo umgesetzt wird, hilft wenig. Von der Blauen Brücke zur Uni – eine Kette an Gefahrenstellen. Und es sind nicht die einzigen. Die Radverbindungen müssen endlich durchgängig und besonders an Kreuzungen besser markiert werden. Radwege und Fußwege gehören – wo immer möglich – getrennt. Gerade Kinder und ältere Menschen werden sonst unverantwortlich gefährdet. Für falsch parkende Autofahrer und rücksichtslose Radler müssen die gleichen Maßstäbe und der gleiche Vollzugswille der Stadt gelten.

Treppen und Gehwege

Tübingen, Stadt der Stäffele. Viele sind in beklagenswertem Zustand. Bei fehlender Unterhaltung wird sich die Geschichte der Germanenstaffel wiederholen: Es werden sich weitere Millionengräber auftun. Daher setzen wir uns für die rechtzeitige Reparatur von Straßen, Plätzen, Gehwegen und Treppen ein.
Gepflasterte Straßen geben unserer Innenstadt ein besonderes Flair. Fehlsteine, Löcher und Asphaltausbesserungen sind unschön, oft sogar gefährlich. Das Tiefbauamt muss für eine regelmäßige Wartung dieser Beläge sorgen. Dazu sind weder Großaufträge noch Maschinen nötig. Ein Handwerker mit Kelle, Hammer, einem Eimer Sand und Steinen reicht völlig aus. Wie gering wären diese Kosten verglichen mit den Totalsanierungen!

Damit es nicht nur bei frommen Wünschen bleibt, muss ein Mehrjahres-Plan aufgestellt und mit jährlichen Budgets für die Erhaltung der Gehwege und Treppen ausgestattet werden. Kleinere Lücken im Fußwegenetz sollten geschlossen werden. Eine Beschilderung der Fußwege gibt es derzeit fast nicht, deshalb bleiben Gäste der Stadt auf den Rennstrecken und finden unsere Sehenswürdigkeiten und schönsten Ecken oft gar nicht.

Barrierefreiheit

Für immer mehr Ältere, Menschen mit Behinderung und Eltern mit Kinderwagen ist das Altstadt-Kopfsteinpflaster in Kombination mit steilen Gassen schwer zu bewältigen. Wir empfehlen, dass sich die zuständigen Mitarbeiter der Stadt einen Tag in einen Rollstuhl setzen und die Altstadt aus dieser Perspektive erkunden. Selbst auf den neuen, hochgelobten glatten Kleinpflastern (Hafengasse / Neue Straße) tun die Erschütterungen manchen Rollstuhlfahrern mit chronischen Schmerzen immer noch weh. Eine rollstuhlbreite, wirklich glatte Bahn in dieser Kopfsteinlandschaft würde das Stadtbild nicht beschädigen. Man muss die Rollstuhlfahrer und ältere Menschen mit Rollatoren nur ernst nehmen wollen! Und dann Stück für Stück wirklich glatte Rollstreifen vorsehen, wo immer zukünftig Beläge erneuert werden.

 

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