Tübingen – Vielfalt in der Kultur

Tübingen ist eine phantasievolle und lebendige Kulturstadt, klein aber fein. Über 30 Chöre, experimentelles Theater, Jazz- und Klassik-Tage, Filmfestivals, Vernissagen, Konzerte von Barock bis Pop und viele weitere Ereignisse bieten das ganze Jahr über beste Unterhaltung. Es gibt aber auch Lücken und Verbesserungsbedarf:

  • Die Kulturkonzeption muss umgesetzt und mit Leben erfüllt werden. Bei aller Planung gilt aber: Kunst und Kultur wächst von unten. Es fehlen vielseitig verwendbare Mehrzweckräume und Ateliers mit Werkstatt-Charakter („Kulturfabrik“). Das Schlachthof-Areal bietet sich hierfür an. Sicher gibt es mehr solcher Räume und Areale in Tübingen, die sich für eine Zwischennutzung eignen. Finden wir sie gemeinsam.
  • Da der Bau neuer Veranstaltungsräume noch länger auf sich warten lassen wird, sollten die vorhandenen Räumlichkeiten von Stadt und Universität ab sofort zentral besser vergeben werden. Dazu gehören ein Raum-Kataster, ein flexibles Raum-Management, klare Vergabekriterien und der Abbau bürokratischer Hürden. An einer halben Stelle, beispielsweise beim Kulturnetz, sollte dies nicht scheitern.
  • Vielstimmiger Klang statt Misstöne: die Tübinger Musikschule muss jetzt, nachdem sie zum städtischen Eigenbetrieb wurde, gefestigt, solide, kompetent und inspiriert geführt werden, damit sie wieder an frühere Glanzzeiten anknüpfen kann. Dazu gehört auch die Sanierung des Gebäudes.
  • Die gemeinsame Bewerbung mit Marburg als Unesco-Weltkulturerbe soll vorangetrie-ben werden. Unser sehr ernst gemeinter Vorbehalt ist aber: Die Bedingungen und Aufla-gen dürfen die Stadt nicht zur schönen Mumie machen.
  • Nicht bei jeder sommerlichen Open-air-Veranstaltung soll es zu harschen Auflagen und Streit mit den Nachbarn kommen. Daher müssen dauerhaft mehr Plätze ausgewiesen werden, auf denen größere Ereignisse unter freiem Himmel stattfinden können. So verteilt sich die Belastung der Anwohner erträglich.
  • Der Gemeinderat hat der Sudhaus-Erweiterung zugestimmt. Vor allem für jüngeres Publikum gibt es kaum Alternativen zum dortigen Programm. Nun müssen auch Taten folgen. Wir können inzwischen nicht mehr herausfinden, ob die Verwaltung wirklich hinter dem Projekt steht oder nur noch Lippenbekenntnisse abgibt.

Märkte, Events, Feste

Im Tübinger Jahreslauf gibt es eine Reihe beliebter und bekannter Großveranstaltungen, die weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind und heimisches wie auswärtiges Publikum anziehen. Was lässt sich noch verbessern? Ein paar Ideen dazu: Ein jährliches Stadtfest – als Sommer- oder Herbstfest – würde den Zusammenhalt in der Tübinger Bevölkerung stärken und die Kassen unserer Vereine aufpolstern. Könnte es nicht im Wechsel in der Innenstadt und einem Stadtteil/Ortsteil stattfinden? Generell sollten wir gemeinsam überlegen: Entzerrung von großen Festen und Märkten – auch mal raus aus der Altstadt, rein in die Stadtteile: unsere Teilorte und Quartiere sind freundliche Gastgeber und bieten ähnlich stimmungsvolle Kulissen.

Nachtleben

Vor allem junge Leute beklagen, dass es zu wenig Ausgeh- und Vergnügungsmöglichkeiten gibt und die Grenzen nächtlicher Ruhestörung in Tübingen sehr eng gezogen sind. Umgekehrt klagen Altstadtbewohner darüber, dass ihnen das Leben in der Stadt verleidet wird. Wir müssen uns darüber klar sein, dass Tübingen mit seinen für die Größe der Stadt außergewöhnlich vielen jungen Menschen und seiner in der Innenstadt nahezu vollständigen Wohnnutzung nur mit ganz wenigen Städten vergleichbar ist.

In Tübingen müssen wir versuchen, ständig einen Ausgleich zu finden. Es muss klare Absprachen zwischen den Wirten und der Stadt geben, die gleichberechtigt die Anwoh-nerrechte und die Geschäftsinteressen des Betreibers und seiner Gäste berücksichtigen. Nach Auskunft des Ordnungsamtes gibt es diese Absprachen. Es gibt aber ein notorisches Vollzugsdefizit. Vollziehen heißt auch Sanktionieren.

Besonders an Wochenenden sind die ganze Stadt und die weitere Umgebung der großen Unterhaltungsbetriebe durch die oft lauten Besucher auf dem Weg zu oder von den Gaststätten, Diskos, Kneipen mitbetroffen. Das fällt nicht mehr in die Verantwortung der Wirte. Hier sind Stadt und Polizei gefordert.

 

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