Claudia Braun ist Fachfrau für Generationen-Fragen. Vielleicht rangiert sie auch deshalb an erster Stelle bei den Besuchern unserer Internetseite. Sie ist die absolute Click- und Visit-Königin der Tübinger Liste! Kaum ein Tag, an dem nicht nach ihr gesucht würde, hier auf dieser Webseite. Und nun meldet sie sich wieder einmal selbst zu Wort.

Heute, am 17. August 2016, schreibt sie für die Mittwochsspalte des Schwäbischen Tagblatts:

Den Blick auf Ältere richten

In Tübingen musst Du jung und fit sein, gut zu Fuß und Dich auf dem Rad durch die Stadt bewegen können, sonst hast Du Pech!” Diesen Gesprächsfetzen hörte ich auf dem Wochenmarkt. Stimmt das?

Der demografische Wandel spielt sich an zwei Polen ab: Tübingen erlebt derzeit einen Babyboom. Wie dauerhaft? Wir wissen es nicht. Bei der Alterung sind die Dinge sicherer vorherzusagen: Die Zahl der älteren Mitbürger wird stark steigen, die Demografie unserer Stadt wird kippen. Die starken Babyboomer fahren jetzt noch E-Bike, aber statistisch leider nicht mehr so lange. Einige Themen muss man also neu denken.
Der Mangel an stationären Pflegeplätzen in der Stadt ist greifbar, neue gesetzliche Auflagen werden ihn verschärfen. Hier muss viel Geld in die Hand genommen werden. Vorher muss eine tragfähige Strategie her! Alte Menschen wollen und sollen wohnortnah einen Pflegeplatz bekommen. Diese Planungen haben, besonders für die Teilorte, hohe Priorität, wir dürfen keine Zeit verlieren! Im Vorfeld der Pflege sieht es ähnlich prekär aus: Es besteht nach wie vor ein großer Mangel an bezahlbaren, barrierefreien Seniorenwohnungen, mit und ohne Betreuung. Deshalb brauchen wir bei neuen Baumaßnahmen eine hohe Quote barrierefreier Wohnungen!

Ein weiteres Thema: Unsere Straßen und Wege – alte Menschen werden zunehmend das Stadtbild prägen. Manches Straßenpflaster stellt ein echtes Mobilitätshindernis und -risiko dar: In der Schmiedtorstraße zum Beispiel ereignen sich laufend schwere Stürze, meist älterer Menschen. Heute ist das mit vernünftigen Kosten nicht mehr zu beheben – eine fehlgeplante Straße ist nachträglich nicht altersgerecht zu machen. Für uns ein Paradebeispiel, was passiert, wenn die Stadt ohne alte Menschen gedacht wird. Das muss sich dringend ändern!

Und dann das Thema “Tod und Sterben”: Es wird im jungen Tübingen verdrängt. Wir brauchen definitiv ein stationäres Hospiz. Es idyllisch im Haering-Haus am Neckar einzurichten, diese Idee hatte so vielen Tübinger/innen das Herz geöffnet. Der Verein “Ein Hospiz für Tübingen e.V.” ackerte seit langem dafür, wurde aber von Anfang an ausgebremst. Jetzt soll das Hospiz in eine Randlage verdrängt werden. Wir sind ohnmächtig und traurig darüber.
Hatten die Damen auf dem Markt also Recht? Diesen kritischen Blick bringe ich jedenfalls in unsere Tübinger-Liste-Fraktion und wir bringen ihn gemeinsam in den Gemeinderat ein.”

Claudia Braun, Stadträtin Tübinger Liste

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