29. Juli 2015

Tübingen hat schon jetzt eine Menge zu bieten: eine hervorragend ausgebaute Kinderbetreuung und ein breites Schulangebot, eine ausgezeichnete Stadtbücherei, zwei Hallen- und ein großes Freibad, Theater, Musikschule, Stadtmuseum.. Alle Einrichtungen verursachen hohe laufende Betriebskosten, die nur zum kleinen Teil aus Einnahmen gedeckt werden können. Und nun soll es auch noch den Bus zum Nulltarif geben?

Auf die Stadt Tübingen würde durch den Wegfall der Fahrgelderlöse noch weitere große finanzielle Belastung zukommen. Im Raum stehen 9 Millionen Euro. Wie kann eine Stadt wie Tübingen solche Belastungen schultern? Natürlich durch höhere Einnahmen, wie zum Beispiel die Gebühren der Stadt für alle Leistungen um 15 Prozent erhöhen. Eine Anhebung der Grund- und Gewerbesteuer und auch andere Einnahmequellen sind sicher denkbar. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – das wären in zehn Jahren 90 Millionen Euro.

Jetzt kommt das Argument der sozialen Teilhabe ins Spiel. So sollten Menschen mit geringeren Einkommen oder Eltern mit Kindern Mobilität zum Nulltarif erhalten. Das kann man verstehen und nachvollziehen.

Unterstützungswürdigen Gruppen sollte das Busfahren leichter und preiswerter gemacht werden. Ansätze dafür gibt es, und die können ausgebaut werden. Aber wo bleibt bei dieser Betrachtung der soziale Gedanke den anderen Bürgerinnen und Bürgern gegenüber? Jenen, die täglich ihrer Arbeit nachgehen, sich im Schichtbetrieb und an den Sonn- und Feiertagen sowie bei jedem Wetter für unsere Gesellschaft einsetzen? Was ist mit den Bürgerinnen und Bürgern, die täglich Verantwortung übernehmen, ein privates finanzielles Risiko eingehen, Ausbildungs- und Arbeitsplätze anbieten und diese auch erhalten sowie für die Daseinsvorsorge einstehen? Muss man diese Menschen noch zusätzlich belasten, damit ihnen immer weniger Geld übrig bleibt? Eines ist sicher, sie werden durch jede Steuer oder Abgabe belastet.

Und was ist mit denen, die lieber mit dem Rad fahren oder zu Fuß gehen, die gar nicht auf den Bus umsteigen wollen? Und was ist mit den Autofahrern, die nicht anders können oder wollen? Zwangsverpflichtung, ist das noch sozial? Daher die Frage: Was wollen und können wir uns noch, auf Kosten anderer, leisten?

Gebhart Höritzer, Tübinger Liste

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