Ein humanistischer Schulpalast für Vollzeit-Schüler

“Im Stil der zu Zeiten König Wilhelm II. modischen Neorenaissance wurde 1901 ein fast luxuriöser Schulpalast errichtet: Für damals weniger als 350 Schüler gab es feinste Architektur, Steinmetzreliefs bis unter den First, etagenweise unterschiedlich geformte Fenster und im Innenbereich vom hörsaalartigen Chemiesaal bis zum großen Musikraum im Laufe der Zeit alles, was der Gymnasiast begehren konnte. Dass alle Klassenzimmer auf der Neckarseite des hellen Fensterflurs zum schattigen Norden hin orientiert waren, sorgt für ein bekömmliches Klima und, wie schon damals bemerkt, blendfreies Licht.

Geplant wurde damals übrigens noch durch den Stadtbaumeister selbst. Selbstverständlich wurde damals auch das Material aus der Region verwendet, beispielsweise Naturstein aus Pfrondorf und Dettenhausen.” So der Elternbeiratsvorsitzende Dr. Matthias Sprißler bei der Eröffnung des fast neu gebauten Uhland-Gymnasiums am 24. Oktober 2018.

In seiner Dankesrede erwähnte er den geduldigen kompetenten Marcus Vollmer vom Fachbereich Hochbau und Bildung, natürlich den Oberbürgermeister, Architekt Holme und die mit Spenden unterstützenden Eltern.

“Stellvertretend für den Gemeinderat danke ich dessen Mitglied Herrn Gumrich. Er hat es verstanden, in einer kritischen, bereits verzögerten Phase vor dem entscheidenden Gemeinderatsbeschluss auf entsprechende Hinweise ganz kurzfristig einen Ortstermin zu realisieren. In diesem wurde dann, zusammen mit Baubürgermeister Soehlke, eine das Dachgeschoss wieder einbeziehende Lösung gefunden, nachdem dessen ursprünglich eingeplante Renovierung schon dem Rotstift geopfert worden war. Vielen Dank, auch die Räume unterm Dach sind eine Besichtigung wert…

Diesem Schulgebäude darf man daher guten Gewissens wünschen, dass es pfleglich behandelt wird, dass wertgeschätzt wird, dass man in hohen Altbauräumen mit Stuckrand an der Decke und großen Fenstern mit Aussicht unterrichtet wird. Da ein Zehntklässler heute bis zu 39 Stunden Unterricht (ohne AG`s oder Chor) hat und damit oft mehr Stunden in der Schule verbringt als mancher Arbeitnehmer im Betrieb, er die Schule vor 8 Uhr betritt und gegen 18 Uhr erst wieder verlässt, seien ihnen schöne Räume von Herzen gegönnt…

…Das Profilangebot mit vor 2000 Jahren verbreiteten Sprachen ist in einer Zeit, in der sich die Halbwertszeit ständig neuer Modethemen und auch Schulreformen laufend verkürzt, ein ruhender Pol in der Vermittlung von humanistischer Bildung, unterstützt durch modernste digitale Technik. In diesem Gebäude, mit dieser Technik sollte es möglich sein, die in Athen und Rom begründete umfassende Kultur – alte Sprachen, Logik, Philosophie (Platon, Cicero, Aristoteles) und Naturwissenschaft (Pythagoras, Euklid und ebenfalls Aristoteles) für die Zukunft zu erhalten.”

 

 

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