Uhlandbad: geliebt, klein – und teuer

„Uhlandbad steht vor dem Aus“ Diese Schlagzeile des Schwäbischen Tagblatts vom 2. Februar 2019 hat Schlagseite.
„DAS UHLANDBAD IST EINFACH ZU KLEIN“
hätte sie auch lauten können.

Müssten alle Besucher des Uhlandbades die realen Kosten ihres nassen Vergnügens bezahlen, würde die große Liebe zum Nostalgiebad bald erkalten. Bereits heute macht das Uhlandbad den größten Teil der Verluste der Bädersparte aus. Jeder Gast erhält nicht nur den Eintritt „geschenkt“, sondern auch noch etwa € 8 für den Heimweg obendrauf. Und nach Sanierung und Erweiterung würde sich dieser Betrag durch die neuen Investitionen weiter erhöhen. Die Stadtwerke verfügen – zumindest bis heute – über keinen Goldesel.

Mit heute 750 qm Wasserfläche in unseren beiden Hallenbädern ist Tübingen eindeutig unterversorgt. Bauen wir das Uhlandbad mit Anbau aus, kommen wir auf maximal 1.000 qm. Man sieht es dem Uhlandbad nicht an, aber es ist unter den Becken, in der gesamten Technik komplett marode. Flicken geht nicht mehr lange gut. Weil die Generalsanierung unter strengen Denkmalschutz-Auflagen und im Bestand aufwändig ist, weil zudem mindestens 2-3 Jahre eine Winternutzung des Freibads durch eine Tragluft-Halle erforderlich wäre, ist diese Sanierung und Erweiterung ungeheuer teuer.

Als die groben Kosten für die Sanierung des Uhlandbades 2016 abzusehen waren, schlugen wir im Aufsichtsrat der Stadtwerke deshalb vor, daneben einmal zu rechnen, wie man durch ein neues Bad im Süden die Wasserfläche spürbar erhöhen könnte.

Wir wurden zunächst von den anderen Fraktionen und dem Oberbürgermeister nicht für ernst genommen und für Phantasten oder Schwätzer gehalten. Dankenswerter Weise rechneten die Stadtwerke den Vorschlag dann aber selbst durch, und unser Ergebnis bestätigt sich: Das Nord-Süd Konzept ergibt bereits mit nur 25 Meter Bahnen im neuen Südbad 1.250 qm Wasserfläche, und das zu etwa gleichen Investitionskosten wie für die Sanierung der existierenden 750 qm im Status Quo. Das Ganze sogar mit deutlich geringeren Betriebskosten als der Status Quo.

Völlig klar ist, dass es eine gute Busanbindung vom Busbahhof zum neuen Bad geben muss. Bei etwa 1.300 Meter Fahrstrecke, vielleicht 2 Minuten Fahrzeit und einem Fuß- und Radweg von etwa 1.400 Meter ist das neue Bad nicht wirklich aus der Welt, wenn wir es neben das Freibad stellen. 

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Hier Auszüge aus dem Artikel des Schwäbischen Tagblatts vom 2. Februar 2019:

„Uhlandbad steht vor dem Aus

Stadtentwicklung Fast alle Fraktionen im Tübinger Gemeinderat wollen ein neues Hallenbad bauen, halten drei Gebäude aber nicht für finanzierbar.

Drei Hallenbäder in Tübingen wären schön, sind aber nicht zu bezahlen – nicht bei der Investition und erst recht nicht beim dauerhaften Betrieb. Darin ist sich die große Mehrheit des Gemeinderats einig, wie die Stellungnahmen der Fraktionen bei der gemeinsamen Sitzung von Planungs- und Kulturausschuss am Donnerstagabend zeigten. Damit läuft es auf eine Zwei-Bäder-Lösung hinaus: Das Nordbad auf Waldhäuser Ost wird saniert und ein neues Hallenbad im Süden – vermutlich beim Freibad – wird gebaut. Offen ist noch die Beckenlänge: 25 oder 50 Meter.

Zu Beginn sagte der Erste Bürgermeister Cord Soehlke: „Wir reden nicht nur darüber, was wir gerne hätten.“ Es gehe auch ums Geld. Nach „groben Schätzungen“ der Stadtverwaltung würden die dringend nötigen Sanierungen des Uhlandbads und des Nordbads sowie der Neubau eines 25-Meter-Hallenbads 35 Millionen Euro kosten. Bei einer 50-Meter-Bahn kämen noch 5 Millionen Euro drauf. Gravierender sind für den Geschäftsführer der Stadtwerke Tübingen, Ortwin Wiebecke, die dauerhaften Belastungen. Drei Bäder würden jedes Jahr ein Minus von 6 Millionen Euro einfahren. Stemmen könnten die Stadtwerke aber maximal 4 Millionen Euro (für alle Bäder). Für AL/Grüne, CDU, SPD, Tübinger Liste und FDP war damit klar: Drei Bäder sind zu teuer. Allein die Linke (per Antrag), Bernd-Rüdiger Paul (AL/Grüne) mit einem Sondervotum und Markus Vogt („Die Partei“) sahen in den Kosten kein Argument.

Bleibt eine Zwei-Bäder-Lösung. Diese muss, so der einhellige Tenor, viel mehr Platz zum Schwimmen bieten als bisher. „Wir haben zu wenig Wasserflächen“, sagte die für Sport zuständige Bürgermeisterin Daniela Harsch. Die Kapazitäten liegen deutlich unter dem Bedarf von Vereinen und Schulen. „Es ist ein Skandal, dass mehr als ein Drittel des Schwimmunterrichts ausfällt“, wurde Martin Sökler (SPD) am deutlichsten…
Als Standort für ein Südbad liegen drei Vorschläge vor: zwei beim Freibad, einer in der Derendinger Straße. Bei diesem wäre der Weg der Schüler aus den Uhlandstraßenschulen aber zu weit, sagte Soehlke. Zudem gäbe es beim Freibad „Synergien“ mit diesem, etwa bei den Sanitäranlagen. Näheres wird in diesem Jahr noch geklärt…

In der Debatte machten viele Fraktionen deutlich, dass sie bei der Qualität eines Konzertsaals keine Abstriche machen wollen. Das betrifft vor allem die Größenordnung von 650 Zuhörern, die Bühne und die Akustik. Harsch sicherte als Kulturbürgermeisterin zu, dass die wesentlichen Anforderungen erfüllt würden. Wenn aber beispielsweise nur 640 Plätze möglich seien, müsse man darüber reden. Auch Soehlke sprach von möglichen Kompromissen. Beim Heidelberger Theaterhaus habe er gesehen, dass auf wenig Platz mit Kreativität viel Raumgewinn möglich sein könne.

Zugleich sagten beide Bürgermeister, dass es K.o.-Kriterien für das Uhlandbad als Standort für einen Konzertsaal gebe. Wenn es nicht gehe, gehe es nicht. Andere Standorte würden ergebnisoffen geprüft: am Europaplatz, beim Museum und beim Technischen Rathaus. Mit diesen Aussagen und weiteren Erklärungen nahmen Soehlke und Harsch den Wind aus dem Segel der Kritik an der Verwaltungsvorlage. Dort stand zum Uhlandbad: „Priorität soll eine Nachnutzung als Konzertsaal haben.“ Dagegen wehrten sich die Fraktionen; AL/Grüne und Linke mit eigenen Anträgen, die anderen mit Äußerungen.

Christian Mickeler (AL/Grüne) warnte vor einem „Doppelbeschluss“, Ulrike Ernemann (CDU) vor einem „Junktim“. Dietmar Schöning (FDP) forderte einen „breiten Suchlauf“ für den Konzertsaalstandort. Soehlke stellte klar, es gehe bei der Priorität nicht um eine Vorentscheidung in der Sache, sondern um den Vorrang in der Prüfung. Denn vom Uhlandbad wisse man aufgrund der Platzverhältnisse und der historischen Substanz gar nicht, ob dort ein Saal möglich wäre: „Wir haben, glaube ich, noch nie eine Vorlage mit so vielen Fragezeichen verschickt. Keiner von uns weiß, ob das funktioniert.“ Anders sei dies bei den anderen Standorten. Mit dieser Erklärung zeigten sich viele zufrieden. Sökler und Ernst Gumrich (Tübinger Liste) drängten aufs Tempo, damit die Musikfreunde Spenden sammeln können.

Über beide Themen, Hallenbäder wie Konzertsaal, stimmt der Gemeinderat erst später ab, Ende März, nach der Befragung mit der neuen Bürger-App….“

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