Umsteuern trotz Idylle

Ein großer Dank an unsere Wählerinnen und Wähler. Sie haben die Tübinger Liste mit zur zweitstärksten Ratsfraktion gemacht. Dies zeigt: Trotz der großen Trends im Bund gibt es auf kommunaler Ebene Platz für unabhängige Wählervereinigungen und Bedarf für maßgeschneiderte lokale Problemlösungen. Möglichst ideologiefrei, möglichst umsetzungsstark. Unabhängig sein heißt auch: Gegenkonzepte einbringen und Konflikte aushalten. Doch glücklicherweise gibt es in unserem Gemeinderat mehr Verbindendes als Trennendes. Wir werden weiterhin dazu beitragen, dass das so bleibt.

Sechs Sitze erhielten wir im neuen Gemeinderat aber auch deshalb, weil wir klare Kante zeigen. Beispiel Innenstadtstrecke der Regionalstadtbahn: Wir haben für 2020 einen Bürgerentscheid durchgesetzt und fordern konsequent die Prüfung von Alternativen zu starren Gleisen und Oberleitungen im engen Tübingen. Beispiel bezahlbares Wohnen: Wir unterstützen das Programm Fairer Wohnen, wenden uns aber entschieden gegen Holzhammermethoden bei der Bebauungspflicht und dem Zwang zu Solaranlagen. Beispiel Realschule: Wir sehen, ebenso wie viele Handwerker und Eltern, dass es wieder eine Schulform braucht, in der junge Leute zielgerichtet auf eine praktische Berufsausbildung vorbereitet werden. Dafür sollten sie nicht nach Rottenburg oder Reutlingen ausweichen müssen.

In Arbeitswelt und Gesellschaft haben tiefgreifende Umbrüche eingesetzt. Wie gelingt es uns, die Unruhe der jungen Generation besser wahrzunehmen und sie auch in die Kommunalpolitik einzubinden? Wie müssen wir umsteuern, damit Klima und Umwelt radikal besser und schneller geschützt werden? Was bedeutet dies für den Fetisch Wachstum und unser tägliches Verbraucherverhalten? Wie kann Mobilität der Zukunft gestaltet werden? Wie eine dem Menschen dienende und ihn nicht auf Schritt und Tritt überwachende Digitalisierung? Trotz aller Tübinger Idylle: Solche Fragestellungen machen nicht Halt vor unseren Stadttoren. Siehe die Diskussionen um den Forschungsstandort für Künstliche Intelligenz. 

Der Gemeinderat ist gefordert, hier die passenden Antworten für unsere Stadt zu finden und Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie nicht immer auf ungeteilte Zustimmung stoßen. Die Tübinger Liste wird sich kreativ und mit Herzblut für beste Lösungen einsetzen.

26. Juni 2019, Reinhard von Brunn

Reinhard von Brunn, Mitbegründer und Vorsitzender der Tübinger Liste e.V.,
seit 26. Mai 2019 auch Stadtrat in Tübingen

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