Ein 458 Jahre alte Tradition stirbt  – hoffentlich nicht!
Unser Marktplatz lebt fast nur noch an den Markttagen.

Da ist es jetzt schwarz auf weiß: Die Mayer’sche Apotheke am Markt schließt zum Jahresende! Die Verwaltung war von der plötzlichen Schließung überrascht, denn man hatte früher im Jahr noch versucht, baurechtliche Probleme dort zu lösen und sah sich auf einem guten Weg.

Die 1569 gegründete Mayer’sche Apotheke ist eines der ältesten Geschäfte in Tübingen. Wegen ihrer historischen Apotheken-Einrichtung und der zentralen Lage am Tübinger Marktplatz ist sie ein beliebtes Fotoobjekt für Touristen. Im Jahr 2008 wurde die alte Homöopathie unter Aufsicht des Denkmalamtes restauriert und als Verkaufsraum zugänglich gemacht.
Jetzt stehen wir alle vor einem Problem: Eine Apotheken-Nachfolge ist schwer zu finden. Wenn sich jetzt aber der Kundenstamm durch längere Schließung umorientiert, wird es noch viel schwerer. Etwas anderes als dort eine Apotheke wird mit dem Denkmalschutz extrem schwierig umzusetzen sein.

Bloß nicht wieder Leerstand!

Wir erleben seit Jahren in der Altstadt ein ähnliches Fiasko, im ehemaligen Brillenladen “Lunette” in der Neuen Straße: Die Einrichtung dort ist streng denkmalgeschützt. Früher war da mal ein Café. Der Eigentümer wollte wieder eines dort ansiedeln. Das geht (oder ging lange) durch den Bebauungsplan Altstadt nicht, der keine “neuen” Bewirtungsbetriebe zulässt. Seither vergammelt das Haus, weil die dringend erforderliche Sanierung nicht startet, solange die Nutzung des Erdgeschosses nicht geklärt werden kann.

Das Thema eines “aussterbenden Marktplatzes” haben wir deshalb in Gesprächen mit der Stadt und dem HGV gleich aufgenommen. Wir müssen in einer konzertierten Aktion versuchen, die vielen leeren Hüllen auf dem Marktplatz wieder zu füllen (KSK, Volksbank, jetzt Mayer´sche Apotheke).

Die Erhaltung der historischen Einrichtung ist Kulturpflicht. Damit bleiben wenige andere denkbare Lösungen. In vielen Ländern sehen wir solch alte Apotheken auch, die in großer Zahl und oft sehr stimmig in Cafés umgewandelt wurden. Völlig undenkbar aufgrund des Tübinger Altstadt-Bebauungsplans? Dann müssten wir weiterdenken. Begründete Ausnahmen setzen kein Präjudiz.

Städte können Donuts werden: Leere in der Mitte

Wegen der präkären Lage der Geschäfte am Markt (und in der übrigen Fußgängerzone) sollten wir auch über einen weiteren Punkt nachdenken. Wie können wir ihre Situation an den Wochen- und anderen Markttagen verbessern? Da ist endlich mal Pubklikumsverkehr auf dem sonst sehr leeren Marktplatz. Aber oft sieht man hinter den Ständen von den Schaufenstern der Läden fast gar nichts mehr. Gäste der Stadt bekommen ihre Existenz gar nicht mit. Sie flanieren an den Ständen vorbei und bemerken sie nicht. Es müsste doch möglich sein, ihnen mehr Sichtbarkeit zu verschaffen (nochmalige Überprüfung der Aufstellungspläne, damit möglichst immer ein gutes Sichtfenster frei bleibt, einheitliche sogenannte Beachflags an den Eingängen mit Hinweisen auf den jeweiligen “zweite Reihe-Laden”, etc). Vorschläge sehr willkommen.

Städte könnten dadurch werden wie Donuts: Ein leere Stelle in der Mitte. Wie drehen wir den Trend um? Bei uns ist der Marktplatz selbst ein schreiendes Beispiel. Viele leere Fensterfronten, nur noch wenige Geschäfte und Betriebe. Aktuell beteiligen wir uns sehr aktiv an Gesprächen der Verwaltung mit vielen Beteiligten, die den Problemfall Marktplatz mit zwei leeren Bankfilialen und drohenden weiteren großen Leerstellen mit einem konzertierten Vorgehen nachhaltig beleben wollen.

 

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