Bei strahlendem Wetter rundete die Tübinger Liste ihre Frühjahrs-Ortsbegehungen am Dienstagabend, 16.5., ab. Vor den Toren Tübingens, in Unterjesingen.
Dass dieser Landstrich im Ammertal auch das schwäbische  Arkadien genannt wird, hier zwei Vollzeit-Winzer ihr Auskommen finden und sechs Besenwirtschaften die Gastronomie bereichern, sollte man sich merken.

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Und wohl einmalig in der Republik ist ein ganz besonderer Verein: der Tunnelbauverein. Ihm gehören nicht etwa passionierte Modelleisenbahner an, sondern zweihundert Bürgerinnen und Bürger, denen es bitter ernst ist, endlich eine Lösung für Unterjesingens größtes Problem herbei zu führen, den permanenten Verkehrsinfarkt auf der Ortsdurchfahrt (B 28).
Michael Rak, der rührige Ortsvorsteher, sieht Licht am Ende des noch nicht gebauten Tunnels: die veranschlagten 83 Millionen Euro seien bei der Verkehrswegeplanung des Bundes eingestellt, die Priorisierung stimme auch. Nur bei der Mitwirkung des Landes und den Umsetzungskapazitäten im Regierungspräsidium hapere es. Wie lange die Bundesstraße den Ort noch in zwei Teile zerschneidet und die Bewohner täglich bis zu 26.000 Fahrzeuge aushalten müssen, das kann heute leider genau so wenig jemand sagen wie bei unserer Begehung vor drei Jahren.

Ein anderer ärgerlicher Dauerbrenner ist aus Sicht von Ortschaftsräten und Ortsvorsteher die Ausweisung von neuem Bauland. Der chronische Grundstücksmangel führt dazu, dass Unterjesingens Einwohnerzahl seit dreißig Jahren bei rund 2500 Personen stagniert, obwohl es nur einen Steinwurf entfernt von Tübingen liegt und über eine hervorragende Infrastruktur verfügt. Das seit Jahren vorbereitete Neubaugebiet “Jesinger Loch” kommt einfach nicht vom Fleck. Neben fehlendem Eigentumserwerb (Zwischenerwerb) macht jetzt die in wenigen Exemplaren gesichtete Schlingnatter einen Strich durch die Rechnung. Sie muss umgesiedelt werden, bevor der erste Baggerzahn beißt…

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So kommt es auch, dass die Grundschule für die heimischen Kinder zu groß geworden ist und die Räume demnächst mit Kindern aus der Tübinger Aischbach-Schule und aus weiter gelegenen Gemeinden ausgelastet werden sollen. Sie werden mit dem Taxi gebracht werden, wie Ortschaftsrätin Isolde Rock kopfschüttelnd anmerkt.

Die Generalsanierung des Friedhofs ist voran gekommen, allerdings gibt es noch Mängel beim Oberflächenbelag. Auch fehlen einige Geländer. Jetzt sollen der Neubau der Aussegnungshalle und die Dacherweiterung folgen. Dazu müssen aber vom Gemeinderat erst noch die entsprechenden Haushaltsmittel bewilligt werden.

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Wie die anderen Teilorte, so muss sich auch Unterjesingen auf die steigende Zahl von Seniorinnen und Senioren einstellen, die im Ort alt werde wollen. Seit Jahren wird an einem größeren Projekt auf städtischem Grund geplant, auf dem ca. 30 Wohneinheiten entstehen sollen. Darunter 30% Sozialwohnungen und eine Seniorenresidenz mit altengerechten, barrierefreien Einheiten mit Unterstützungsleistungen. Doch wie so oft, steckt auch hier der Teufel im Detail: mit dem Denkmalschutz muss über den Abbruch einer Scheune verhandelt, der Architektenwettbewerb muss vorbereitet und ausgeschrieben werden. Und die Kapazitäten bei der Tübinger Bauverwaltung sind bekanntermassen mehr als ausgelastet. Dennoch möchte Michael Rak sich nicht auf 2018 vertrösten lassen, sondern hofft auf die entscheidenden Beschlüsse des Gemeinderats noch im laufenden Jahr. Das wäre ein kleiner Ausgleich für die Schwierigkeiten beim “Jesinger Loch”.

Beim abschliessenden Schoppen im “Lamm” kamen die Gäste der Tübinger Liste zu der Erkenntnis: in Unterjesingen wächst ein edler Tropfen, doch vor etwas Wasser im Wein ist man auch hier nicht sicher…

Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an Rundgang und Gesprächen ein herzliches Dankeschön!

 

Teilnehmer des Rundgangs:

Ortsvorsteher Michael Rak

Ortschaftsräte:

Isolde Rock
Hans Martin Dittus
Uli Seibold
Jörg Stickel

Für die Tübinger Liste: Reinhard von Brunn, Ernst Gumrich, Klaus Dieter Hanagarth, Ute Mihr

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