Ute Mihr am Mittwoch: Zero Waste-Stadt Tübingen?

„Besser leben ohne Müll

Mit der Vorlage 383/2018 bittet die Verwaltung am Montag den Verwaltungsausschuss um den Auftrag, einen Satzungsentwurf zu erarbeiten, mit dem „Einwegverpackungen von Speisen und Getränken, die zum sofortigen Verzehr abgegeben werden“, besteuert werden können. Die Tübinger Liste begrüßt jedes Bemühen, die öffentliche Vermüllung einzudämmen, hält eine Steuer aber für den falschen Weg. Die Risiken und Nachteile werden von der Verwaltung selbst benannt: Rechtliche Zulässigkeit, Überwachungsaufwand und Kontrollierbarkeit.

Wir wünschen uns stattdessen eine gemeinsame Anstrengung, eine konzertierte Aktion, die die gesamte Stadtgesellschaft mitnimmt. Das Aktionsbündnis „Müllarmes Tübingen“, dem unter anderem die Universität, die Stadt Tübingen, die WIT und der HGV angehören, muss öffentlichkeitswirksam ausgebaut werden und auch Tübinger Bildungseinrichtungen (Kindergärten, Schulen, Vereine usw.) einbinden. Die Klimaschutzkampagne „Tübingen macht Blau“ kennt jedes Kind. Eine solche Kampagne brauchen wir auch für das Thema Müll. Dabei geht es nicht nur um Einweggeschirr oder Pizzakartons, sondern um die Sensibilisierung jedes einzelnen für das Thema Verpackungsmüll. ZWT lautet das Ziel – Zero Waste Tübingen.

Mit der KeepCup, dem Mehrweg-Pfandbecher RECUP, der geplanten Einführung eines „Mehrwegeisbechers“ und „Mehrwegpfandgeschirrs“ sind die ersten Schritte auf dem Weg zu diesem Ziel getan. Dass es an der Universität keine Einwegkaffeebecher mehr gibt, ist nach Aussage von Universitätsangehörigen auf dem Campus und in den Seminargebäuden deutlich wahrnehmbar: Es liegt einfach weniger Müll herum.

Zusätzlich wünschen wir uns Mülltrennung auch im öffentlichen Raum und Mülleimer mit separaten Gefäßen für Zigarettenkippen oder Kaugummis. Testweise könnten an Müll-Hotspots wie dem Alten Botanischen Garten und am Steinlachufer entsprechende Container aufgestellt werden. Auch ein Altglas-Container – ggf. mit einem offenen Korb für Pfandflaschen – wäre denkbar.

San Francisco hat schon in den Nullerjahren das Ziel ausgerufen, 2020 Zero-Waste-Stadt zu sein. Inzwischen werden dort 90 Prozent der Abfälle recycelt, und man denkt über eine Abschaffung der Restmüllbehälter nach. Wir meinen: Das können wir Tübinger auch, und werden im Gemeinderat einen Antrag stellen.“

Ute Mihr, Stadträtin der Tübinger Liste

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