Beim Treffen “Wirtschaft trifft Kommune” am 12. Februar zeigte sich Dr. Hans-Ernst Maute, Vizepräsident des IHK Präsidiums, “verwundert” über die von Oberbürgermeister Palmer angekündigte Wachstumsbremse. Ein Jahr zuvor habe er noch zugesagt, erweiterungswillige Unternehmen würden benötigte Flächen erhalten. Maute wurde grundsätzlich: Nicht nur in einem Unternehmen, auch in der Gesellschaft sei Wachstum nötig, um steigende Löhne, Energiekosten oder zusätzliche Einwohner zu bezahlen: “Den Status quo zu erhalten, genügt nicht.” Eine Wachstumsbremse schade, schon die Ankündigung nehme die Zuversicht: “Wir brauchen keine Knüppel zwischen den Beinen. Das Geld wächst nicht auf Magerwiesen.”

Mager? Reich! hält Armin Bihlmaier dagegen:

Erst wenn der letzte Baum gefällt ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann – für den IHK-Vizepräsidenten ersetze ich den Baum durch die Magerwiese, und das objektiv und wissenschaftlich belegbar. Mager bedeutet: mager an Düngemitteln, was jedoch das Gegenteil bewirkt – nämlich einen Reichtum an Wildblumen, Wild- und Heilkräutern. Wer eine Magerwiese derart herabstuft, offenbart eine hochgradige, aktuell in der Öffentlichkeit als zukunftsgefährdend erkannte Unwissenheit. Denn gerade auf ungedüngten, naturbelassenen Magerwiesen lebt eine große Pflanzen- und Insektenvielfalt. Als Biologe und Naturführer lade ich Herrn Maute ein, auf eine Führung mitzukommen. Wussten Sie, Herr Maute, dass eine Magerwiese Ihren zubetonierenden Wachstums-Baggerführern den Streuobst-Pausenapfel beschert, einem (Ihrem?) Kind oder Enkelkind das helfende Pflanzenheilmittel und Ihrem Frühstücksbrötchen den Honig? Die Magerwiese wird sogar im Jubiläumsjahr des Tübinger Botanischen Gartens vorgestellt (14. Juli). Auch der Verein Vielfalt – unterstützt vom Bundesministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft – zeigt den zukunftsweisenden Reichtum der Magerwiese auf (www.vielfalt-kreis-tuebingen.de, 24. April). Die Zeiten von ungebremstem, vor allem jedoch unreflektiertem Industriewachstum sind vorbei, denn der Mensch lebt von Nahrungsmitteln, die wiederum Insekten und Natur benötigen. Ja, es stimmt, auf unseren Magerwiesen wachsen nicht Geld oder Betongold, dafür das mittlerweile als lebenswichtig erkannte grüne Gold, wie zum Beispiel Goldblumen, besser bekannt als Margeriten.”

Armin Bihlmaier, Tübingen

Diesen Beitrag teilen