WeilheimColl
Das fanden wir spitze – unsere eineinhalb und dreieinhalbjährigen Rundgängerinnen Lina und Anni Röhm wurden nicht müde und ließen keinen Zweifel daran, dass sie sich in Weilheim zu Hause fühlen. Mutter Jasmin kandidiert übrigens für den Ortschaftsrat. Außerdem erwarteten uns Ortsvorsteher Roland Glaser, der am 1. Juli sein 40-jähriges (!) Dienstjubiläum feiert und Vertreter der ortsansässigen Familie Gauthier.
Von vielen Stellen im Ort sieht man die Tübinger Silhouette oder auch den Derendinger Kirchturm. Gleichwohl: Weilheim “isch ebbes oiges,” abgerückt, naturnah, und doch vor den Toren der Stadt. Das macht es für die rund 1500 Einwohner so attraktiv.
Kressbach und der Eckhof gehören auch zur Gemeinde Weilheim, damit auch der Golfplatz. Die meisten Weilheimer können mit ihm leben, denn rund 70% der Besucher steuern ihn von der B 27 zwischen Tübingen und Dußlingen an; nur 30% nehmen die Ortsdurchfahrt. Von den 125 Hektar Golfplatz werden 100 nicht gedüngt und könnten, in Notzeiten, so Roland Glaser, ruckzuck wieder in Ackerfläche zurück verwandelt werden.
Charakteristisch für Weilheims Ortsbild und weithin sichtbar ist die Scheuern-Zeile. Hier haben sich Eigentümer und Denkmalschützer über Jahrzehnte aneinander gerieben und abgearbeitet.
Neigungswinkel, Gaubengröße, Fenstersprossen, Dachbedeckung, Farbwahl, Balkenstärke – der Stolpersteine gab es wahrlich viele. Heute steht ein Ensemble, das sich trotz kleiner Stilbrüche sehen lassen kann und in dem sich seine Bewohner ganz offensichtlich wohl fühlen.

Durch Weilheim fährt im 30-Minuten-Takt der Bus, in Spitzenzeiten sogar alle 15 Minuten. Das soll entfallen, wenn erst einmal die Regional-Stadtbahn gebaut ist. Dann müssten die Weilheimer anderthalb Kilometer bis zur Haltestelle laufen. Was Wunder, dass sie von der Regional-Stadtbahn nicht begeistert sind. Im Gespräch ist eine künftige Anbindung an den Derendinger Bus, aber das würde die Fahrtzeiten in die Tübinger Innenstadt erheblich verlängern.

Früher war Weilheim ein richtiges Bauerndorf. Davon ist nur noch ein einziger Voll-Erwerbsbetrieb übrig geblieben. Der treibt dafür ordentlich Fläche um und versorgt 120 Kühe. Wirtschaftlich bedeutender sind heutzutage die Gewerbe-Betriebe am nördlichen Ortsrand: der Klinikums-Dienstleister UDO, der auch von Tübingern gern besuchte Real-Markt, die Firma Möck, Malerbetriebe und die Firma Stotz. Zusammen bringen sie es auf rund 400 Arbeitsplätze.
Weithin bekannt ist das “Weilheimer Kneiple”, nicht nur wegen seiner exponierten Kurvenlage, sondern dank der typisch griechischen Küche.

Stolz sind die Weilheimer auf ihre “Kulturachse” in West-Ost-Richtung: Kirche – Rathaus – Schule – Kinderhaus – Rammerthalle – Sportplätze. Hier ist alles bestens abgedeckt, was ein reges Dorfleben an Infrastruktur braucht. Das Kinderhaus mit seinem Beton-Charme der siebziger Jahre soll ab Herbst umfassend umgebaut und mit einer Mensa versehen werden. Dann fehlt es auch den Kleinsten an nichts mehr. Das hat natürlich seinen Preis: 600.000 bis 1 Million Euro sind dafür veranschlagt.

Damit all diese Errungenschaften auch künftig mit Leben erfüllt bleiben, ist die Ansiedlung junger Familien entscheidend. Anwärter gibt es genug, Bauland war aber Mangelware. Das wird sich nun mit der erwarteten Freigabe des regionalen Flächen-Nutzungsplans entspannen. Weilheim hat einen fix und fertigen Bebauungsplan für das 1,85 Hektar große Gebiet “Ölacker” und rechnet sich daher gute Chancen aus, vom Tübinger Bauamt als Priorität No.1 aller Neubaugebiete bearbeitet zu werden. Am 16. Mai geht der Antrag in den Gemeinderat. Für das neue Verfahren des Zwischenerwerbs durch die Stadt ist man in Weilheim aufgeschlossen, da man hofft, dass dann keine Baulücken entstehen und soziale Funktionen angemessen berücksichtigt werden. Der End-Verkaufspreis dürfte nach heutiger Einschätzung bei ca.350 Euro pro Quadratmeter liegen.

Ein Problem, das andere Gemeinden umtreibt (siehe unseren Bericht aus Bühl), wurde in Weilheim schon in den 1980er Jahren gelöst. Damals entstand für rund 7 Millionen DM ein großes Regen-Rückhaltebecken, das bei Starkregen die Wassermengen aus dem Rammert zurück hält. Das Land zahlte 70% der stolzen Summe.
1983 wurde der Weilheimer Friedhof an der alten Landstraße geschlossen, 2003 wurde er abgeräumt. Nur noch ein kunstvolles schmiedeeisernes Tor, alte Bäume und ein paar Steine erinnern an ihn. Was soll mit diesem geschichtsträchtigen Fleckchen Erde geschehen? Umwandlung in einen kleinen Park, obwohl ganz Weilheim im Grünen liegt? Überbauung mit einer Senioren-Wohnanlage nach Pfrondorfer Vorbild? Noch ist nichts entschieden. Auch der neue Ortschaftsbeirat hat noch Nüsse zu knacken.

Ein Thema, das wir im Eifer des Rundgangs ganz übersprangen (wir geloben Besserung!), war das Asylantenheim. Wir nehmen es als positives Zeichen, dass von Weilheimer Seite keinerlei Klagen kamen.

Wir gratulieren Roland Glaser zu 40 Jahren Aufbauleistung und einer mustergültigen Gemeinde. Für die Tübinger Liste: Ulrich Kurz, Ernst und Christa Gumrich, Gebhart Höritzer, Oliver Kiefer, Klaus Dieter Hanagarth und Reinhard von Brunn.

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