Auch unabhängig von Wahlkämpfen erkundigt sich die Tübinger Liste nach dem Ergehen der Teilorte. Roland Glaser, seit 44 Jahren Ortsvorsteher, begrüßte eine große Gruppe seiner Räte, Bürger und Gemeinderäte der Tübinger Liste. Seit dem letzten Rundgang ist das Kinderhaus prächtig renoviert worden, Mietshäuser der GWG wurden auf Vordermann gebracht, der Schützenverein hat ein neues Domizil mit schönen Terrassen erhalten. Mit dem Asylantenheim gab es noch nie Probleme, der Landkreis und Ehrenamtliche kümmern sich. So weit, so gut. Aber an Gesprächsstoff fehlte es keineswegs!

Blumenkübel auf die Wilonstraße! Oder einseitige Halteverbote?
Mitglieder der Tübinger Liste holten sich gleich eine Rüge wegen Falschparkens. Anwohner Ulrich Metz fürchtet Blechschäden oder Schlimmeres, weil die Sicht der Autofahrer, die aus Hof-Einfahrten und Nebenstraßen wie der Lammstraße ausfahren wollen, von parkenden Fahrzeugen versperrt ist. Reinhard von Brunn von der Tübinger Liste riet pragmatisch dazu, einfach Pflanzkübel aufzustellen, um die Parker an das Gebot aus der Fahrschule zu erinnern: „Vor und hinter Einmündungen und Kreuzungen sind fünf Meter Abstand zu halten.“  (§ 12, Absatz 3 Nr. 1 Straßenverkehrsordnung). Mit einseitigen Halteverboten wäre auch geholfen, aber da muss erst noch ein klarer Weilheimer Wille her. Den herzustellen ist für Roland Glaser trotz seiner langjährigen Erfahrung immer noch eine kleine Herausforderung.

Senioren auf den Friedhof?

Ja, allen Ernstes wollen die Weilheimer den 1983 abgeräumten alten Dorf-Friedhof neu bebauen. Und zwar mit Mietwohnungen für Senioren. Vielleicht mit einer kleinen Pflege-Einheit. Warum denn nicht?! Denn die flache Wiese hinter der alten Sandsteinmauer und dem schmiedeeisernen Tor liegt mitten im Dorf. Die Stadtwerke wären sogar bereit, eine Bus-Haltestelle vor dem Tor einzurichten, die Arztpraxis befindet sich in Sichtweite.Weiteres Pro: Daneben liegt ein langes Grundstück in städtischem Besitz. 82 Prozent der Weilheimer, so Glaser, fanden den Vorschlag gut. Nur der Denkmalschutz nicht. Angeblich herrscht Bauverbot auf ehemaligen Friedhöfen. Nun hofft Weilheim auf die Einsicht von Regierungspräsident und Baubürgermeister.
Öläcker – Das Geld floss bereits!
Fast waren die Verkäufer der Grundstücke des künftigen Neubaugebiets Öläcker überrascht, als ihr Konto Anfang Juni Zuwachs meldete. Sie hatten sich bereit erklärt, den Quadratmeter für 180 Euro an die Stadt Tübingen zu verkaufen, die als Zwischenerwerber nun die Parzellen neu teilt und erschließt. Glaser: Wir können sofort erschließen. Es geht nur noch um die Details der Planung: ob die Talstraße einbahnig, kurvig, als Radweg oder Ausweich-Durchfahrt genutzt werden soll. Wer welches Grundstück kaufen und wie gestalten kann. Ein Bebauungsplan muss her. Die Nachfrage ist groß. Nun möchte Weilheim gerne sein 1,8 Hektar großes Neubaugebiet gleich nach Bühl und vor Pfrondorf ins Planungsrennen schicken. Doch Pfrondorf scheint dem Oberbürgermeister wichtiger, weil es 5,5 ha zu bieten hat. Die Engpässe im Baudezernat bremsen. Ernst Gumrich, Fraktionsvorsitzender der Tübinger Liste, hält ohnehin viel davon, Planungsleistung extern einzukaufen. Dann würde Vieles schneller gehen.
Gewerbegebiet Schelmen
Mehrfach musste sich die Tübinger Liste sagen lassen, dass ihr Votum für den Erhalt des Au-Brunnens zu Lasten der Weilheimer Äcker gegangen sei. Da half auch die Beteuerung nichts, die Liste hätte auch eine kleinere Lösung für Weilheim befürwortet. Denn die Weilheimer wären mit 5 Hektar neuer Gewerbefläche zufrieden gewesen, müssen aber nun das Doppelte opfern. Was in den Hallen von “Möck Röhren“ wirklich vor sich geht, wusste keiner der Ortschaftsräte. Da sei einmal ein Insolvenz-Verfahren gewesen, wahrscheinlich sei ein Großteil der Hallen ungenutzt. Aber Genaueres wolle die Stadtverwaltung Tübingen prüfen.
Nördlich anschließend an den Schelmen möchte der Ortschaftsrat ein Baugebiet bis zum Landgraben vorhalten. Link  zum Antrag 329d/2017.
Im Herbst soll dieser Wunsch in weiteren Diskussionsschleifen um den Flächennutzungsplan weiter bearbeitet werden. 
Enteignung droht!
So richtig zur Sache ging es dann, als die kleine Gesellschaft vor dem Regen ins Schützenhaus floh. „Das ist Enteignung!“ empörte sich Christa Glaser. Ein Antrag der Grünen brachte sie auf die Palme. Link Antrag AL/Grüne. Grundstückseigentümer sollen ihre Flächen bebauen (lassen) müssen. Paragraph 176 BauGB gibt zwar die generelle Möglichkeit zur Anordnung einer Bauverpflichtung für Baulücken in Gebieten mit Bebauungsplänen. Doch Ernst Gumrich warnte:

“Das wird ein ganz stumpfes Schwert. Das gibt viel Arbeit für Rechtsanwälte und hinterher wenig bis gar keine Arbeit für Bauhandwerker.” Eine erste Erfahrung hat Tübingen bereits mit der Zweckentfremdungssatzung gemacht: sogar in bester Lage an der Neckarbrücke steht ein Haus seit elf Jahren weiterhin leer.

Reinhard von Brunn erinnerte an die Sozialbindung von Eigentum, hohen Flächenverbrauch und den knappen Wohnraum in Tübingen, doch Christa Glaser nannte weitere Lücken, durch die Mietraum versickern kann: durch die Umwidmung von Mietwohnungen in Ferienwohnungen. „Die erzielen noch höhere und womöglich steuerfreie Renditen.“ 
Gegen das „Burgen-Denken“
Flächenverbrauch befürwortete keiner. Aber das Konkurrenzdenken der Kommunen zwinge fast dazu. Wenn Nachbar Rottenburg mit großzügigen Angeboten winke, müsse Tübingen den Kürzeren ziehen. Und Tübingen-Stadt denkt nicht einmal an die Gewerbebrachen im eigenen Landkreis, die es umnutzen könnte, um die eigenen Flächen zu schonen. Reinhard von Brunn nannte die Beispiele Gomaringen und Nehren, wo große Hallen seit Jahren leer stehen.
Stadtbahn durch Tübingen? Da kann Weilheim nur verlieren!
Die Verschuldung der Stadt wird keinen Cent mehr übrig lassen für die Ortsteile, meinte Glaser. Die augenblickliche Kostenschätzung für die Stadtbahn-Strecke quittierten alle Anwesenden nur mit Gelächter und verwiesen auf Stuttgart 21. „ Für uns hat die Innenstadtstrecke nur Nachteile!“ Da waren sich alle einig. Sofort und schmerzlich spürbar wäre der fehlende Bus Nr. 19, der Fahrgäste in 20 Minuten umsteigefrei von Weilheim zu den Kliniken bringt. Bis zu zwei Kilometern Weg müssten die Weilheimer dann bis zum Bahnhof zurücklegen und dann umsteigen – eine klare Einladung zum Autofahren!
Überall Nachwuchs-Sorgen im Ehrenamt
Ortschaftsrat Claus-Eckard Bürker wird nächstes Jahr in den wohl verdienten Ruhestand gehen. Aber wer soll ihn ersetzen? Auch der Ortsvorsteher wird nicht mehr kandidieren. Wer hat Zeit für dieses Ehrenamt? Junge Berufstätige sehen keine Chance, sich einmal im Monat abends für eine Sitzung in Weilheim frei zu machen. Beruf und Familie gehen vor. Senioren wollen endlich ihre Ruhe haben oder reisen. Ernsthaft und langfristig interessiert am Geschick des Ortes müssten die Kandidaten sein, engagiert, kommunikativ und fähig zum Kompromiss. Schwierig, schwierig!
„Und hinterher motzet se,“ seufzen die derzeitigen Amtsträger. Ein Problem, das alle Vereine und alle Parteien nur zu gut kennen.
Dabei kann Gemeindearbeit doch Spaß machen! Die Tübinger Liste ist das beste Beispiel…
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