Schauen wir, ob wir das 200 Jahre alte Observatorium nicht doch 2017 endlich saniert bekommen! 

Seit dieser Meldung in der Tübinger Presse sind auch schon wieder 17 Monate vergangen. Damals im Juli 2015 kam aus Stuttgart die gute Nachricht: Das Bohnenberger-Observatorium wird nach Jahrzehnten des beschämenden Verfalls endlich saniert, mit Landesmitteln. Rita Haller Haid/SPD hatte unser mehrfach vorgetragenes Anliegen (und natürlich das des Schwäbischen Heimatvereins) in Stuttgart platziert. Bis die Zusage stand. Dann hörten wir nichts mehr.

Dabei drängt inzwischen die Zeit: 2018 ist das 200. Jubiläumsjahr der von Bohnenberger in 1818 begonnenen Landesvermessung.

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Aber nun endlich tut sich was!

Bis Mitte nächsten Jahres soll das einmalige Kulturdenkmal renoviert werden!

Wilhelm Triebold berichtet am 24. Januar 2017 im  Schwäbischen Tagblatt erfreut: “Fast hat man schon nicht mehr daran geglaubt. Nachdem das Bohnenbergersche Observatorium durch den Tübinger Parasitologen Alfons Renz aus seinem efeu-umrankten Dornröschenschlaf geholt wurde, harrte dieses europaweit einzigartige Sterngucker-Ensemble seiner Wiederentdeckung. Der astronomische Inhalt des Rundbaus, eines von nur vier erhaltenen Reichenbergschen Universalinstrumenten, ist längst restauriert worden und wartet in Obhut der Esslinger Denkmalbehörde nur darauf, dass es seinem Tübinger Gehäuse ebenso ergeht. Dann könnte beides, einmalig auf der Welt, wieder zueinander gehören…
…”Es scharren schon viele mit den Hufen”, sagt Seidl. Denn im nächsten Jahr feiert nicht nur Tübingen den Beginn der bahnbrechenden württembergischen Landesvermessung vor 200 Jahren, an der Bohnenberger entscheidend mitwirkte. “Bis dahin muss das Ding saniert sein”, fordert Seidl.

Das könnte eng werden. Aber immerhin: Es geht los. “Wir haben die Sanierung des Observatoriums immer als eine unserer originären Aufgaben angesehen”, unterstreicht Bernd Selbmann, der Leiter des Amts für Vermögen und Bau in Tübingen. …
…Erfreulich dabei: Es wird die “große Lösung” angestrebt, ganz auch im Sinne Ernst Seidls. Der oberste Museumsmann hält es für die “Ideallösung, historisches Gerät und Gebäude beieinander zu belassen”, wenn das konservatorisch und sicherheitstechnisch möglich ist. Beides auseinander zu reißen und sich im sanierten Kernbau mit einer Kopie des historischen Präzisionsmessgeräts zu behelfen, das wäre für ihn nur “die zweitbeste Lösung, und ein Glashaus dann die drittbeste”.

Jetzt gehe es darum, im eigenen Haus den “Bestellschein auszufüllen” , sagt Selbmann. Bis April sollen die Bauunterlagen vorliegen und im Mai mit der Sanierung begonnen werden. Bis Mitte des Jahres 2018 müsste die Restaurierung abgeschlossen sein, um rechtzeitig zu den Landesvermessungs-Feierlichkeiten fertig zu sein. “Ich freue mich, wenn’s klappt”, sagt Selbmann. Aber das sei auch eine “Baustelle mit dem Löffel” – sehr kleinteilig. Und damit wohl auch langwieriger….

Auch der Tübinger Stadtrat Ernst Gumrich hat sich fürs Observatorium verkämpft. Ihm wäre daran gelegen, wenn “einer der bezauberndsten Plätze Tübingens” aufgewertet werde. Die Fläche beim Schlossportal sei ein “verwunschener, wunderbarer Ort über der Stadt”, man sollte da nicht einfach nur was “auf die Wiese stellen, und das war’s dann wieder”, so der Vertreter der Tübinger Liste.

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Dezember 2016

Hubert Wicker, Ministerialdirektor im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg, gab uns einen umfassenden Bericht über den Sachstand. Kurzfassung: Ja, die denkmalrechtlichen Fragen konnten geklärt werden. Jetzt kann Vermögen und Bau BW in Tübingen im Frühjahr die Ausschreibung beginnen. Und dann die Vergabe, danach die übliche Bauzeit von 1 Jahr.

Fazit: Man ist auf dem Weg, aber eine Fertigstellung 2017 scheint schwierig. Und 2018? Auch das klingt nach der Unterlage noch nicht ganz sicher. Die Antwort zeigt, dass die Sanierung zwar gesichert ist, das große Fest zum 200. Geburtstag aber wohl eher nicht. Man müsste überall einen Gang schneller vorankommen. Wir werden deshalb jetzt alle Beteiligten bei Universität, Land und Stadt Tübingen ansprechen, ob man dem Projekt nicht einen starken Hilfsmotor anlegen kann, um es vielleicht etwas schneller ans Ziel zu bringen. Es wäre schon peinlich, wenn man solch ein Jubiläum nicht “schaffen” würde.

Und Tübingen sollte sich mit der Universität einstweilen gemeinsam schon mal Gedanken machen, wie man einen der schönsten Orte in der Stadt, in diesen kleinen Park vor dem inneren Tor des Schlosses, mit atemberaubendem Rundblick über Tübingen endlich aufwertet.

Vielleicht macht diese Geschichte aus der Geschichte etwas Mut: Bevor Bohnenberger dort vor mehr als 200 Jahren seine Sternwarte zu bauen begann, hatte der Hausmeister des Schlosses dort eine Wirtschaft betrieben. Unsere Vorfahren wussten den Platz offensichtlich zu schätzen und für Gäste und TübingerInnen genussvoll zu nutzen.

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Und so las es sich im Reutlinger Wochenblatt bereits im Juli 2015:

“Einst nutzte die Universität eine Sitzung des Landeskabinetts auf dem Schloss Hohentübingen zu ihren Gunsten und presste dem gut gelaunten Ministerpräsidenten Günther Oettinger die Zusage ab, dass das Land Mittel für die Sanierung des unteren Schlosstores bereitsstellen werde. Oettinger hielt sein Versprechen.

Jetzt hat die Landesregierung erneut die Möglichkeit, einer Zusage Taten folgen zu lassen: Es soll Mittel für die Sanierung des Bohnenbergerschen Observatoriums im Wallgarten des Schlosses geben. Das, man wird es kaum glauben, immerhin als Kulturdenkmal geadelte Objekt gammelt schon seit Jahren vor sich hin, eine Plastikplane deckt den Rundbau ab, die Blumenrabatte drumherum deuten zumindest an, dass der ummauerte Raum unter der Plastikplane durchaus Sehenswerteres verbergen könnte. Und das ist noch untertrieben: Vor etwas mehr als 200 Jahren hatte der Tübinger Mathematiker, Physiker und Astronom Johann Gottlieb Friedrich von Bohnenberger (1765 – 1831) den Rundbau aus Sandstein errichten lassen. Damals handelte es sich um ein Kegeldach, das auf vier Säulen ruhte. Das Dach war auf Rollen drehbar.

Zwei Dachluken sollten astronomische und terrestrische Beobachtungen ermöglichen. Bohnenberger war es schließlich, der nicht nur das nach ihm benannte Gyroskop, ein Präzisionsmessgerät, erfand und bauen ließ, er war es auch, der im Auftrag des Königs die wissenschaftliche Vermessung des Königreichs Württemberg vornahm. Als Tübinger Professor bot es sich an, dass er, praktischerweise, den Nullpunkt für die Kartierung in sein hoch über der Stadt gelegenes Büro im Nordostturm legte. Bis heute sind, was nur die wenigsten wissen, sämtliche württembergische Flurkarten auf diesen Nullpunkt hin ausgerichtet. 

Das Jahr 1806 brachte mit der Einführung des Königtums das Ende der Universität als einer Korporation, die sich aus ihrer eigenen Gütermasse unterhielt. Sie wurde nun aus der Staatskasse finanziert. Ihr weiterer Ausbau konnte damit den Bedürfnissen experimenteller Fächer wie der Physik eher angepasst werden. Dementsprechend konstruierte und beschaffte Bohnenberger viele neue Geräte. Gleichwohl darf man davon ausgehen, dass Bohnenberger sein Observatorium aus der eigenen Tasche bezahlte.

Johann Gottlieb Friedrich von Bohnenberger starb am 19. April 1831 in Tübingen nach 33 Jahren als Professor. Als der Begründer der Landesvermessung, Physiker und Astronom starb, reimte man in Tübingen: »Die Sternwarte ist jetzt verwaist / seit Bohnenberger den Himmel selbst bereist.«

Ende 2004 wurde Bohnenbergers älteste erhaltene Maschine – es soll deren vier gegeben haben – ein aus Messingringen und Elfenbein gefertigtes Gyroskop, in der Physik-Sammlung des Kepler-Gymnasiums in Tübingen gefunden. Der Entdecker war Alfons Renz, Privatdozent an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

Das Landesamt für Denkmalschutz hat das gute Stück restauriert und hat Tübingen wissen lassen, dass man es zurückgeben werde, wenn vor Ort eine angemessene Unterbingung garantiert werde.
Es dauerte immerhin bis Juni 2015, bis man sich der Bohnenbergerschen Bedeutung bewusst wurde. Das kostbare Original, so scheint es, soll im Schloss ausgestellt werden, der Rundbau soll saniert und dort eine Replik ausgestellt werden.

Wenn alles nach Plan läuft, soll das Projekt im kommenden Jahr abgeschlossen sein. Dann könnte man ein Jahr später an die epochemachende Landvermessung erinnern, mit der Bohnenberger im Herbst 1818 begonnen hatte.”

sternwarteschloss

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