9. Februar 2016

Wir von der Fraktion der Tübinger Liste  haben uns jeden einzelnen Standort persönlich angeschaut und viele kritische Fragen gestellt. Hier Fraktionsvorsitzender Ernst Gumrich mit Stadträtin Claudia Braun:

GumrBraun

Jeder Stadtteil wurde auf verfügbare Grundstücke überprüft:
RefugUnterbr

Die Stadtverwaltung erwog 3 Strategien:
1. Nutzung frei werdender Wohnungen. Das hätte soziale Friktionen zur Folge durch die Verdrängungsprozesse auf dem sozialen Wohnungsmarkt.
2. 3-5 temporäre größere Containerlager am Stadtrand: „Ghettoisierung“, nicht erwünscht bzw.
problematisch
3. 30 dezentrale Standorte über die Stadt verteilt (20 Neubau, 10 leer stehende Gebäude). Dabei
sind Neubauten möglichst dauerhaft zu planen für eine sinnvolle Nachnutzung angesichts der ohnehin angespannten Wohnungssituation in Tübingen. Diese Variante wird umgesetzt, da sie
die Integration bei Bleibe-­‐Perspektive am besten ermöglicht, wirtschaftlich sinnvoll und städtebaulich richtig ist.
Das Baudezernat informierte die unterschiedlichen Stadtteile in der ersten Februarwoche.
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Am Freitag, 29. Januar, in der Mensa Uhlandstraße 30, stellten Erste Bürgermeisterin Dr. Christine Arbogast und Baubürgermeister Cord Soehlke die ausgesuchten Standorte für Flüchtlingsunterkünfte vor. Dieser Termin war für Stadtmitte und Weststadt gedacht. Der Zuspruch hielt sich in Grenzen, Polemik fiel aus. Gernot Stegert berichtet: Wohlwollen statt kritischer Fragen

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Drangvolle Enge im Ruderclub Fidelia auf Einladung der Initiative Gartenstraße
Ein Wettbewerb der guten Ideen wird entscheiden!

Am Samstag, 30. Januar, 16 Uhr, traf sich die Anwohnerschaft Gartenstraße im Ruderclub Fidelia, Gartenstraße 180, um die Unterbringung von Flüchtlingen auf dem Werkhof-Gelände am Stauwehr zu diskutieren. Baubürgermeister Cord Soehlke schien erstaunt, dass bei dieser Veranstaltung der Initiative Gartenstraße mehr Leute auf ihn warteten als bei der offiziell angekündigten der Stadt am Vortag (siehe oben). Mit elektronischen Abstimmungsgeräten gaben rund hundert Personen ihr klares Votum ab:

Park und Spielplatz sollen zum Neckar hin erweitert werden, gleich ob mit oder ohne Bebauung. Eine dauerhafte Bebauung wird einer provisorischen deutlich vorgezogen. Wohnraum für 60 – 90 Personen scheinen akzeptabel, ein Mix aus Flüchtlingen und deutschen Bewohnern ist erstrebenswert, bunt gemischt aus Singles und Familien. Ein Begegnungsraum sollte geplant werden. Die Parkplätze wollten nur rund ein Viertel eher verringert sehen.

Der elektronische Abstimmungsmodus, den das Publikum aus “Wer wird Millionär” gut kannte, ohne hier auf Millionen hoffen zu können, ermöglichte eine kurze knackige Debatte und ließ gar nicht erst eine “schweigende Mehrheit” entstehen, die sonst oft frustriert und  grummelnd den Heimweg antritt. Jeder hatte eine Stimme!

Cord Soehlke brachte auch noch ein Bonbon mit in die Gartenstraße: Ein Ideen-Wettbewerb wird über die Vergabe des Werkhof-Bauplatzes entscheiden. Startschuss: Mai 2016. Denn im Herbst sollen die Bagger schon anrücken.
Das Schwäbische Tagblatt hakte nach: “Ja, aber”

 

WerkKompromiss
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Termin Südstadt/Derendingen: Am 3. Februar um 19 Uhr im Gemeindehaus Eberhardskirche, Eugenstraße 54, 19 Uhr.

Hier gab es mehr Widerstand in der Bevölkerung: Hände weg Parkplätzen und Wiesen!
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Termin Nordstadt/Lustnau folgte am 4. Februar im Hörsaal der Geschwister-Scholl-Schule, Berliner Ring 33, 19 Uhr.

Fred Keicher schreibt dazu im Schwäbische Tagblatt am 6. Februar 2016:

“In der Nordstadt sorgt man sich vor allem um Kindergartenplätze

Rund 200 Interessierte kamen am Donnerstagabend zur Informationsveranstaltung über die Flüchtlingsunterbringung in der Nordstadt und in Lustnau in den Hörsaal der Geschwister-Scholl-Schule. Beim dritten Abend dieser Art sorgte man sich um Parkplätze, aber mehr noch um Kindergartenplätze…

In der Nordstadt sollen schon im Sommer anstelle der “Punkerbaracken” zwischen Reithalle und SSC-Gelände zwei zweistöckigen Gebäude in Modulbauweise für 50 bis 75 Personen stehen. Diese Gebäude sind auf Dauer angelegt. Soehlke sagte, ein Angebot in diesem Bereich brauche man immer. Die acht Menschen, die im Moment dort wohnen, werden umgesiedelt.

Die Errichtung einer Flüchtlingsunterkunft entlang der Straße Im Horemer auf dem Technologiepark-Gelände könnte sogar eine Verbesserung der stadtplanerischen Situation bringen, sagte Soehlke. Sonst könne es sein, dass die zweistöckigen Einfamilienhäuser westlich der Straße auf sechsstöckige Technologiepark-Gebäude treffen. Präsentiert wurde am Donnerstag nur eine Lageplan-Skizze. “An der Körnung müssen wir noch arbeiten”, sagte Soehlke über die geplanten Häuser. “Vielleicht werden sie schmaler und höher oder breiter und niedriger.” Vier Stockwerke peilte er an.

Der Kindergarten im Horemer sei schon jetzt überlastet, man müsse dringend an seine Erweiterung denken, war die Anregung aus dem Publikum. “Wir haben das auf dem Schirm”, sagte die Erste Bürgermeisterin Christine Arbogast. Zur Not müsse man mit mobilen Elementen arbeiten oder die Kinder in andere Einrichtungen schicken. Eine Frau wandte ein, hier werde eine attraktive Gewerbefläche überbaut. Soehlke gab ihr teilweise recht. Aber der tatsächliche Verlust an Gewerbefläche sei relativ gering, und “Alternativen sind noch schwieriger”.

“Sicher nicht dreigeschossig, eher fünfgeschossig” sah Soehlke die Überbauung des Parkplatzes zwischen Heuberger-Tor-Weg und Nordring. Der Umgebung angepasst, wie er meinte. Doch dort stehen auch Einfamilienhäuser. Ein Anwohner protestierte energisch gegen diese hohe Bebauung. Auch sei der Parkplatz unbedingt notwendig für die Kunsthalle, sagte er. Soehlke erwiderte: “Die Kunsthalle macht mir keine Sorgen. Bei Großveranstaltungen können wir Platz schaffen. Aber Parken ist ein Zielkonflikt.”

Eine ganze Reihe solcher Zielkonflikte ergeben sich an der Bebenhäuser Straße beim Sophienhof: Denkmalschutz, Hochwasserschutz, Bauverbot. “Nur einen Juchtenkäfer haben wir noch nicht gefunden”, freute sich Soehlke. Das Grundstück befindet sich in Privatbesitz.

Dem Land gehört das Dreieck zwischen Breitem Weg und Schnarrenbergstraße, wo Wohnungen für Klinikbeschäftigte vorgesehen sind. Das Projekt will die Stadt jetzt anstoßen. Soehlke sieht es als ideal an, weil es integrativ, nachhaltig und stadtnah sei. Er will auf dem Gelände einen Verwaltungsbau unterbringen und Personalwohnhäuser und Flüchtlingshäuser gemischt…”
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