Im dürren peruanischen Hochland tanzen Quechuas ihre Bitten gen Himmel. Sie singen traurige Lieder an den Herrn des Qoyllur Rit’i, um das heilige Gletscherwasser des Sechstausenders Ausangate zu erflehen, die Sterne und den Menschen in Einklang zu bringen.

Wasser ist elementar. Das wussten die Inkas vor 800 Jahren, und der letzte trockene Sommer in Baden-Württemberg hat uns daran erinnert. Wasser muss geschützt und erhalten werden, selbst wenn wir unsere Tübinger Brunnen bereits durch landwirtschaftliche Gifte, Straßen und Gewerbegebiete bedrängt haben. Wie etwa den Au-Brunnen, eingeklemmt zwischen Reutlinger Straße, Möck-Schrott und Bahn. Es ist ein Brunnen, und er gibt – noch – wertvolles Trinkwasser!

AuTrinkbrunn

Na ja, so 20 Tage im Jahr könnten wir ohne Trinkwasser sein, wenn die Bodensee-Versorgung ausfiele. Das jedenfalls meint ein von den Tübinger Stadtwerken beauftragtes Gutachten, das Sie weiter unten lesen können.
20 Tage dürsten wir doch gern, wenn wir eines Tages ein paar Euro im Steuersäckel und ein paar Büros und Gewerbegebiete mehr auf dem zugeschütteten Aubrunnen sitzen haben. Kein Problem, ein jeder hat doch die Möglichkeit, Wasser in Flaschen zu kaufen. Und zuviel Baden ist ohnehin ungesund ….
Aber eigentlich ist das Thema zu ernst für Späße.

Unser Fraktionsvorsitzender Ernst Gumrich meint dazu:
“Keine Angst liebe “Aubrunnen-Schamanen”!
Es braucht nicht Eure seherischen Fähigkeiten, um vorauszu”unken”, ob der Aubrunnen bebaut wird. Ihr müsst auch unseren Enkeln später nicht statt Brunnen- dann Regenwasser herbeibeten. Der Aubrunnen wird nicht bebaut. Jedenfalls, wenn nach uns geht. Aber wir glauben, da gibt es ein klares und sehr ähnliches Meinungsbild im Gemeinderat. Nur der OB ist noch etwas störrisch.

Hierzu auch ein gerade eingereichter Lesebrief, denn nicht alle sind in Tübingen und lesen das:
Am 8. Dezember wurde das Gutachten zum Aubrunnen veröffentlicht, kurz zuvor hatten es der Aufsichtsrat der SWT vertraulich diskutieren können. Wir kommentierten es im Aufsichtsrat und am Tag der Veröffentlichung auf facebook als Tübinger Liste so:
>> Der OB ließ durch die SWT eine Untersuchung in Auftrag geben: “Kann Tübingen auf diesen Brunnen verzichten?” Jetzt wurde uns die Untersuchung vorgelegt ….. Die verkürzte Antwort darin: “JEIN” Unsere Meinung: Die Risiken sind zwar klein, aber es bleiben Risiken und es ist eine Entscheidung mit “Ewigkeitscharakter”. Daher sind wir in der Sache sehr klar: Finger weg vom Aubrunnen! Die Idee eines Gewerbegebiets dort sollte rasch und ganz vom Tisch genommen werden.<<
Der OB hatte diese Idee, er selbst sollte sie schleunigst einkassieren. Dass er die Frage gestellt hat, war mutig. Wir brauchen dringend Gewerbegebiete und müssen dafür sicher über gewohnte eigene Schatten springen. Mit diesem Ergebnis des Gutachtens sollten aber alle zum selben Ergebnis kommen. Der Aubrunnen bleibt ein Tübinger Brunnen, sonst brauchen unsere Nachfahren eines Tages vielleicht wirklich Schamanen, … die dann um Regenwasser betteln.”

Und das Schwäbische Tagblatt schreibt es so.
Foto Qoyllur Rit’i: Reinhild von Brunn. 8.6.2004

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Gutachten der Stadtwerke Tübingen:

Reservebrunnen Au: Untersuchungsergebnis liegt vor

Reservebrunnen Au

Der Brunnen in der Au dient, neben den anderen Gewinnungsanlagen, der Sicherstellung der Tübinger Trinkwasserversorgung für den Fall eines mehrtägigen Ausfalls der BWV aufgrund eines unerwarteten Ereignisses. Ob und in welchem Umfang die Gewinnungsanlage in der Au für diesen Ersatzfall benötigt wird, wurde seit 1992 nicht mehr ermittelt. Vor dem Hintergrund der Tübinger Gewerbeflächenstrategie 2020 haben die swt jetzt untersuchen lassen, ob ein Verzicht auf den Reservebrunnen Au unter gleichzeitiger Aufrechterhaltung der hohen Versorgungssicherheit in der Wasserversorgung möglich ist. Die swt beauftragte die Untersuchung bei der RBS Wave GmbH mit Sitz in Stuttgart.

Ausgangslage:

Für die Untersuchung wurde ein mehrtägiger Ausfall des Trinkwasserbezugs von der BWV unterstellt. Überprüft wurde, ob die Trinkwasserversorgung dann mit eigenen Gewinnungsanlagen sichergestellt werden kann. Insbesondere war zu klären, ob die Versorgung auch ohne die Gewinnungsanlage Au erfolgen kann. 

Nicht untersucht wurden die Versorgungsbereiche Hagelloch, Unterjesingen, Hirschau und Bühl. Diese Ortsteile werden von der Ammertal-Schönbuchgruppe (ASG) mit Trinkwasser versorgt. Es bestehen keine Verbindungen zum Trinkwassernetz Tübingen.

Ebenso nicht untersucht wurde die Trinkwasserversorgung der Ortsteile Pfrondorf und Herrlesberg. Pfrondorf verfügt mit dem Reserve-Pumpwerk Pfrondorf über eine eigene Ersatzwasserversorgung. Der Ortsteil Herrlesberg kann im Ernstfall mit mobilen Leitungen zwischen dem Verteilnetz Pfrondorf und dem Wasserbehälter Herrlesberg mit Eigenwasser aus dem Reserve-Pumpwerk Pfrondorf teilweise mitversorgt werden. Die tiefer gelegenen Bereiche am Herrlesberg lassen sich durch Öffnen der Schieber zur Versorgungszone Sand-Niederzone mitversorgen.

Untersucht wurde deshalb der Versorgungsbereich Sand inklusive alle mittel- und unmittelbar angeschlossenen Versorgungszonen.

Untersuchungsergebnisse:

Die Vollversorgung der Versorgungszonen Sand mit Eigenwasser ist bei gleichzeitigem, mehrtägigem BWV-Versorgungsausfall auch ohne das Pumpwerk Au an 345 bis 355 Tagen sichergestellt. An 10 bis 20 Tagen im Jahr mit einem maximalen Tagesbedarf (691 m³/h oder 16.584 m³/d) wäre eine Vollversorgung der Zonen Sand bei gleichzeitigem BWV-Versorgungsausfall ohne den Reservebrunnen Au mit Einschränkungen ebenfalls möglich. Die wasserrechtlich mögliche Förderkapazität von 828 m³/h (19.872 m³/d) und die Verfügbarkeit von Wasser in den Brunnen wäre ohne die Gewinnungsanlage Au in ausreichendem Maße vorhanden, nicht aber die dann benötigte Kapazität zum Transport des Wassers zum Trinkwasserbehälter Sand.

Um das Restrisiko eines Ausfallszenarios an 10 bis 20 Tagen jährlich bei maximalem Tagesbedarf ohne den Reservebrunnen Au abzudecken, müssten folgende Maßnahmen an den Gewinnungsanlagen und Netzen geprüft und eventuell umgesetzt werden:

  • Überprüfung der hydrogeologischen Verhältnisse in den verbleibenden Wasserschutzgebieten insbesondere dem Unteren Neckartal und Berücksichtigung der beabsichtigten Ausweisung neuer Gewerbegebiete und Retentionsräume
  • Erweiterung der installierten Pumpkapazitäten in den Gewinnungsanlagen Gehrnfeld und Unteres Neckartal
  • Bau einer vierten Einspeisestelle im Kreuzungsbereich Mühlstraße/Gartenstraße
  • Umbau des Transportleitungsknotens und Bau einer fünften Einspeisestelle im Kreuzungsbereich Gartenstraße/Aeulestraße
  • Bau einer Transportleitung zwischen den Behältern Sand und Stauffenberg zur besseren Ausnutzung der vorhandenen Behälterkapazität. Diese Maßnahme dient auch der Netzverstärkung bei Normalbetrieb und ist für 2016/17 sowieso vorgesehen.
  • Druckstoßberechnungen

Ersten Schätzungen zufolge kosten die Maßnahmen zwischen 750 Tsd. bis 1 Mio. Euro.

 

 

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