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Wollen wir eine echte Fußgängerzone …

… und dort von 10 – 18 Uhr (fast) nur Fußgänger? Angeblich wollen das alle. Aber ein greifbarer Fortschritt ist nicht erkennbar. Immer wieder flammen Teilaspekte auf, dann kehrt Ruhe ein. Weshalb versandet dieses Thema ständig? Wollen wir es vielleicht nicht oder wollen wir umgekehrt zu viel auf einmal?

Fangen wir mit der einfachen Wahrheit an: Ganz ohne Autos geht es nicht. Die sogenannte „Blaulichtfraktion“, die Anwohner selbst und die Handwerker mit ihren Werkstattwagen müssen weiter hinein. Diese und ähnliche Ausnahmen sind bereits gut geregelt. Da sollten wir das Rad weder neu erfinden noch überdrehen. Über Feinjustierungen kann man später nachdenken.

Das eigentliche Problem sind die permanenten Anlieferungen durch Paketdienste und Lieferanten. Deren Fahrzeuge stellen die Fußgängerzone zu. Dafür muss eine Lösung her. Das würde weit über 90% des Problems erschlagen. Aber: Zwischen 10 und 18 Uhr gar keine Anlieferungen mehr, das ginge natürlich nicht. Daraus folgt die gute Frage: Wie kriegen wir Lieferungen herein, aber die Lieferfahrzeuge hinaus aus der Fußgängerzone? Wir haben Glück und müssen die Lösung nicht selbst erfinden. Konstanz, eine ähnlich enge und mittelalterliche Stadt hat sie schon gefunden:

Sternförmig um die Fußgängerzone gibt es – direkt an deren Außengrenze – speziell für Anlieferer reservierte Ab- und Umlade-Parkplätze. Vor dort sind die Fußwege in der Fußgängerzone jeweils kurz. Die möglichen Plätze in Tübingen sind bereits identifiziert.

Wie bringen die Anlieferer die Pakete von dort in die Fußgängerzone? Überlassen wir das getrost den Lieferdiensten. Vielleicht tun sie sich zusammen und beschaffen z.B. Elektro-Lasträder. Oder sie stellen mehr Mitarbeiter an. Sie werden Lösungen finden. Keinesfalls wird Tübingen von der Lieferlandkarte gestrichen. Wir bekommen weiter unsere Pakete, aber eben nicht vom Lieferwagen direkt vor dem Haus.

Dann müssen wir noch als Eingänge zur Fußgängerzone absenkbare Poller an die sinnvollen Stellen setzen, einen verstärkten Kontrolldruck am Anfang aufbauen und wir hätten endlich unsere echte Fußgängerzone. Die WIT hat sich gut ins Thema eingearbeitet. Sie braucht eigentlich nur noch einen klaren Auftrag, alle Fachbeiträge der Verwaltung zu koordinieren und dem Gemeinderat in einigen Wochen den Beschlussantrag vorzulegen. Das wäre doch was!

Gebhart Höritzer in der Mittwochsspalte des Schwäbischen Tagblatts vom 22.  Februar 2017

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