Gebetsmühlenhaft werben die Befürworter der Innenstadtstrecke, umsteigefreie Stadtbahnen lockten Neukunden zu Hauf zum ÖPNV. Doch vor dem Umsteigen kommt erst einmal das Einsteigen. Wie viele Pendler wohnen auf ihren Dörfern im Umkreis von 5 bis 10 Fußminuten vom nächsten Bahnhalt? Wohl kaum die Mehrheit. Präzise Zahlen wären hilfreich. Wer läuft gerne längere Strecken und wird schon morgens nass? Wie kommen die Kindervor der Arbeit zu Kindergarten und Schule, wie schleppe ich abends die Einkäufe nach Hause? Was mache ich, wenn ich Nachtschicht habe?

Nehmen wir an, ich finde Lösungen und gebe mir einen Ruck. Meine Bahn ist wirklich pünktlich, sauber und klimatisiert. Busse holen mich im Kurztakt an der Bahn ab. Ich gehe 50 bis 100 Meter und erreiche sie trockenen Fußes durch helle überdachte Galerien am neuen Tübinger Busbahnhof – wo ist da der Umsteige-Horror? In jeder Großstadt gehört das Umsteigen zwischen S-, U-Bahnen und Bussen zum Alltag. Wenn es halbwegs komfortabel möglich ist, wird dies auch angenommen. Gehen wir nicht an jedem Großflughafen klaglos Hunderte von Metern von einem Terminal zum anderen, steigen zig-Mal um von einer Rolltreppe und einem Laufband aufs nächste oder auch in fahrerlose Transfer-Kabinen?

Und in Tübingen? Die Stadt für Hunderte Millionen Euro jahrelang auf den Kopf stellen für eine überschaubare Anzahl Sitzenbleiber? Nein danke! Macht erst einmal das Einsteigen und Umsteigen angenehmer.

Reinhard von Brunn. 12.10.2018

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