Zuschüsse der Stadt für alle

Wo die Stadt uns Geld schenkt: in Bädern, Bussen, Musikschule und Theater

Einmal schwimmen gehen für 9,41 Euro pro Person? Wenn die Stadtwerke so wirtschaften müssten, wie es unabhängige Unternehmen tun, könnten sich nur wenige den Badespaß leisten. Rund 3 Millionen Euro pro Jahr fließen als indirekter Zuschuss allein für die Bäder von der Stadtkasse in die der Stadtwerke. Ohne diesen Zuschuss müssten die Badegäste 5,11 Euro mehr für den Eintritt bezahlen als sie das bisher tun.

Die Stadt begünstigt auch andere Dienstleistungen, wie etwa jedes Busticket: mit 18 Cent. Im Jahr 2017 zahlte die Stadt den Verkehrsbetrieben der Stadtwerke 3,6 Millionen Euro.

Fürs Parken in einem der städtischen Parkhäuser müssten die Stadtwerke 51 Cent mehr verlangen, wenn die Stadt keine Zuschüsse zahlen würde.

Die Stadtwerke immer im Minus?
Eher nein. Noch 2012 schütteten die Stadtwerke einen Gewinn von 2,4 Millionen Euro an die Stadt aus. Im Jahr 2017 bekam die Stadt nur noch 360.000 Euro von den Stadtwerken. Denn die Stadtwerke investierten, und die Stadt verzichtete deshalb auf die Ausschüttung.

Städtische Eigenbetriebe

> Die Musikschule , früher von einem Verein geführt, wurde 2014 von der Stadt übernommen. Das längst in die Jahre gekommene Gebäude wird nun endlich saniert.
Doch auch ohne die Kosten dafür braucht sie einen Zuschuss. Der liegt bei etwas über 1,1 Millionen Euro. Umgerechnet auf die Schülerzahl heißt das, dass die Stadt im Durchschnitt jeden Schüler mit 437 Euro im Jahr bezuschusst.


> Kaum noch Besucher dürfte das Institut für theatrale Zukunftsforschung, früher Zimmertheater, haben, wenn die Stadt es nicht bezuschussen würde. Denn dann wäre jede Eintrittskarte 35 Euro teurer und würde an die 55 Euro kosten. Die Stadt ist Hauptgesellschafter des Theaters und trägt es fast vollständig.

>Auch die Kommunalen Servicebetriebe KST sind ein Eigenbetrieb.

Vollständige Töchter der Stadt:
> Stadtwerke
> Altenhilfe
> Tübinger Sporthallenbetriebsgesellschaft
> Wirtschaftsförderungsgesellschaft Tübingen (WIT).

Bei der Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau Tübingen (GWG) ist die Stadt Hauptgesellschafter.

Anteile hat sie
> an der Kreisbau-Gesellschaft
> der BioRegio STERN Management GmbH (Beratung für regionale Unternehmensgründer)
> der Technologieförderung Reutlingen-Tübingen,
> der Standortagentur und am Reutlinger Bibliotheksservice EKZ.
Gewinnausschüttungen bekommt sie nur von den Stadtwerken, der GWG, der Kreisbau und dem EKZ, alle anderen bekommen Zuschüsse.

Die Stadt zahlt insgesamt mehr als zehn Millionen an Zuschüssen.

Deshalb war es im Jahr 2017 den Stadtwerken möglich, in Windparks zu investieren.
Die Altenhilfe konnte das Bürgerheim umbauen und sanieren und die GWG weitere Wohnungen modernisieren und neue bauen, darunter etliche Sozialwohnungen und Anschlussunterkünfte für Flüchtlinge.
Bis 2012 verzeichnete die Stadt aus ihren Eigenbetrieben, Töchtern und Beteiligungen zusammen trotz Gewinnausschüttungen in der Bilanz ein Plus, zuletzt 671.000 Euro.

Danach zeigte die Bilanz immer ein Minus. Den höchsten Zuschuss bekam 2017 die Musikschule (1,1 Millionen), es folgen die WIT (764.000 Euro), die Sporthallenbetriebsgesellschaft (566.000 Euro), das Zimmertheater (461.000 Euro), die Technologieförderung (415.000 Euro), die Kommunalen Servicebetriebe (250.000 Euro), die Altenhilfe Tübingen (204.000 Euro), die Bio-Regio Stern (125.000 Euro) und die Standortagentur (12.000 Euro). Gewinnausschüttungen gab es von den Stadtwerken (360.000 Euro), der EKZ (8.000 Euro), der GWG (5.000 Euro) und der Kreisbau (4.000 Euro). Die Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor.

Schwäbisches Tagblatt vom 9. März 2018



Ähnliche Beiträge

Kommentarfunktion geschlossen.