Saiben: weiterplanen bis 2029

In den kommenden zehn Jahren sollen in Tübingen rund 5400 Wohnungen gebaut werden, auch ohne Saiben.
Ein Auszug aus einem Artikel von Sabine Lohr im Schwäbischen Tagblatt vom 21. Mai 2019:
Manche Standorte sind noch unsicher. Den Saiben mit ca. 650 Wohnungen – das Gelände zwischen Derendingen und dem Bahnbetriebswerk – will Oberbürgermeister Boris Palmer nicht vor den 2030er Jahren bebauen…


Dem Gemeinderat liegt nun eine Liste vor, wo in den kommenden zehn Jahren gebaut werden kann. Die Verwaltung geht davon aus, dass in dieser Zeit bis zu 5400 Wohnungen gebraucht werden. Sie legt dabei die Bevölkerungs-Vorausrechnung des Statistischen Landesamtes zugrunde, die für das Jahr 2028 zwischen 88000 und 97000 Einwohner in Tübingen prognostiziert. Inzwischen hat Tübingen fast 90000 Einwohner, weshalb die Verwaltung von der oberen Variante der Berechnung ausgeht. Das heißt, bis 2028 müssen Wohnungen für 6000 bis 7000 Einwohner geschaffen werden – ein Wachstum, das „an der Grenze der Verträglichkeit“ sei, so Palmer. Nicht nur, weil auch für die entsprechende Infrastruktur gesorgt werden muss, sondern auch, weil die Bauverwaltung schlicht nicht mehr Kapazitäten hat.


Stadtplanerin Barbara Landwehr hat eine ausführliche Liste zusammengestellt, auf der selbst Häuser mit nur zwei Wohnungen stehen. Aber auch größere Projekte sind gelistet.

Demnach sollen bis Ende 2020 fertig werden:
80 Wohnungen in der Friedrich-Dannenmann-Straße,
330 Wohnungen im Güterbahnhof-Areal,
65 Wohnungen auf dem Horemer (Boarding-Häuser und Flüchtlingswohnen)
und 90 Wohnungen im Wennfelder Garten.


In den Jahren 2021 bis 2023 sollen bebaut werden:
im Bestandsgebäude in der Alten Weberei werden 80 Wohnungen entstehen.
In der Karlstraße 11 sind 70 kleine Wohnungen geplant,
im Breiten Weg 460 Wohnungen für Pflegekräfte,
am Hechinger Eck Nord 75 Wohnungen,
im ersten Bauabschnitt auf dem Queck-Areal 75 Wohnungen,
im Wennfelder Garten weitere 90 und in Bühl, in den Oberen Kreuzäckern 90.

Ab dem Jahr 2024 sollen folgende Flächen bebaut werden:
das Areal zwischen Stadtwerken und Bundesstraße (Marienburger Straße) mit 300 Wohnungen,
das Kast-und-Schlecht-Gelände (ehemaliger „Zoo“) im Schleifmühleweg mit 150 Wohnungen,
der zweite Teil des Hechinger Ecks Nord mit 50 Wohnungen,
an der Hechinger Straße mit 80 Wohnungen,
der zweite Teil des Queck-Geländes mit 75 Wohnungen,
auf WHO 250 bis 300 Wohnungen,
der jetzige Sportplatz in Derendingen, der verlegt wird, mit 50 Wohnungen,
das jetzige Bauhof-Gelände im Schwärzlocher Täle mit 65 Wohnungen,
der jetzige Betriebshof von Omnibus Schnaidt beim Schlachthof mit 60 Wohnungen
und die Bauflächen in Hirschau, Pfrondorf, Unterjesingen, Weilheim, Hagelloch und Kilchberg mit zusammen rund 490 Wohnungen.

Auf der Liste stehen auch 285 Wohnungen in Derendingen, deren genauer Standort nicht bekannt ist…

Dabei gibt es noch einige Unwägbarkeiten. So ist bisher nicht klar, wohin Omnibus Schnaidt ziehen soll. Und auch, wo die Kommunalen Servicebetriebe einen neuen Standort bekommen, an den dann auch der Bauhof ziehen soll, ist bisher noch offen. Die Verwaltung hatte eigentlich das Bahnbetriebswerk im Auge – doch die Bebauung dort kollidiert mit der Landesgartenschau, falls Tübingen dafür den Zuschlag bekommt.

Bei allen Projekten muss das Programm „Fairer Wohnen“ umgesetzt werden. So sollen 16 Prozent der Wohnungen sozialer Wohnungsbau sein, weitere 14 Prozent preisgedämpft und 19 Prozent sind für besondere Wohnformen vorgesehen – dazu gehören studentisches Wohnen, Werkswohnungen, aber auch alternative Wohnprojekte, etwa für Senioren.

Im Gemeinderat stieß Palmers These, den Saiben müsse man nicht vor Ende der 2020er Jahre bebauen, auf unterschiedliche Reaktionen. Während AL/Grüne ihm zustimmten und den Saiben so lange wie möglich als Grünfläche erhalten wollen, drängen SPD, Tübinger Liste, CDU und FDP darauf, ihn früher zu bebauen. „Manche Projekte auf der Liste sind noch nicht spruchreif“, wandte Dirk Eisenreich (SPD) ein, und Dietmar Schöning (FDP) meinte, es reiche nicht aus, den Bedarf „gerade so“ zu decken, sondern man brauche einen Planungsspielraum. Er forderte, die Planung des Saiben weiter voranzutreiben.

„Wenn wir wegen der Liste nicht weiterplanen würden, wäre das fahrlässig“, sagte Baubürgermeister Cord Soehlke. Laut Palmer wird der Bebauungsplan 2025/26 aufgestellt und 2028 abgeschlossen. Dann soll das Gebiet erschlossen und ab Ende 2029 bebaut werden.

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