Claudia Braun: zu frühe Entlassung und Einsamkeit sind gefährlich

Stadträtin Claudia Braun, Mitautorin der Wahlprüfsteine Senioren, Leiterin der Beratungsstelle für Ältere und ihre Angehörigen, Gartenstraße 28, Tübingen
  1. Gesundheit und Prävention

Die Lebenswartung steigt, die Lebensspanne Alter war noch nie so lange wie heute – das ist eine große Chance, die wir nutzen müssen, aber auch eine Herausforderung. Denn das Risiko, zu erkranken und pflegebedürftig zu werden, steigt mit dem Alter. Daher ist Gesundheitsförderung ein wichtiges Ziel, um möglichst lange die Lebensqualität zu erhalten. Gesundheit im Alter hat körperliche, medizinische, soziale und psychische Aspekte, hier muss auch die Prävention ansetzen:

Sportangebote für ältere Menschen

In den vergangenen Jahren ist eine Vielzahl an Sport- und Bewegungsangeboten für ältere Menschen entstanden (Wegweiser aktiv im Alter des LK und Beratungstelefonzum Thema „Sport und Gesundheit für Ältere“ bei der Stadt). Beispielhaft ist hier das offene Bewegungs- Angebot „50 plus“ im Botanischen Garten, das sehr gut angenommen wird. Wir wünschen uns weitere solcher Angebote, die auch älteren Menschen mit Einschränkungen und Demenz Teilhabe ermöglichen. 

Medizinische und pflegerische Versorgung:

Die medizinische Versorgung(ambulant und stationär) in Tübingen ist sehr gut, aber es fehlt an aufsuchenden Angeboten, z.B. Hausbesuche von Fachärzten bei Menschen, die pflegebedürftig und in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Die Versorgung nach Krankenhausaufenthaltist nach wie vor ein großes Problem, die Verweilzeiten in den Kliniken werden durch die Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups, DRG; deutsch: diagnosebezogene Fallgruppen) immer kürzer.

Viele Menschen werden entlassen, die nicht in der Lage sind, sich selbst zu versorgen. Wer allein lebt, ist auf schnell verfügbare ambulante Hilfe angewiesen. Dies ist durch den Fachkraftmangel oft schwierig zu gewährleisten. 
Wir haben seit langem auf die fehlenden Kurzzeitpflegeplätzeaufmerksam gemacht, die nach Klinikentlassung und zur Entlastung von Angehörigen dringend notwendig sind. Jetzt sind erste Lösungen in Sicht. Weitere Plätze müssen folgen. Besonders schwierig ist die Situation für Menschen mit Demenz im Krankenhaus und nach der Entlassung. Hier ist noch viel zu tun.

Den Bau desHospizeshaben wir von Beginn an unterstützt, das ist für Tübingen ein wichtiger Meilenstein und schließt eine Versorgungslücke. Voraussetzung für eine gute pflegerische Versorgung sind ausreichend Fachkräfte im Kranken- und Altenpflegebereich. Hier herrscht großer Mangel, wir sehen dringenden Handlungsbedarf. 

Daher haben wir im Gemeinderat 2018 gemeinsam eine Resolutionzur Verbesserung der Personalsituation in der Pflegeverabschiedet. Doch damit ist es nicht getan: Neben Anstrengungen von Bund, Land und den Einrichtungsträgern kann auch die Stadt – ebenso engagiert wie im Kitabereich – einiges tun, um unterstützende Rahmenbedingungen zu schaffen: 

Der AK Fachkräftemangelhat dazu Vorschläge erarbeitet, die wir unterstützen: z.B. Hilfe bei der Wohnungssuche (Clearingstelle), flexible Angebote bei der Kinderbetreuung. Anpassung des ÖPNV an die Arbeitszeiten oder ein Jobticket-Angebot. 

Abschließend der psychosoziale Aspekt der Gesundheitsprävention:

Immer mehr ältere Menschen sind von Einsamkeitbedroht. Das ist Risikofaktor Nr. 1 für psychische Erkrankungen. Hier müssen wir dem Bedarf entsprechend zugehende Beratungsangebote ausbauen und stärken, denn sie sind Ansprechpartner, wirken präventiv, unterstützen bei Krisen und Problemen. Auch für pflegende Angehörigesind Beratung und ausreichende pflegerische Entlastung eine wichtige Prävention, denn sie haben ein hohes Risiko, selbst zu erkranken. 

Wir fördern die Entstehung vonStadtteil – und Teilort-Treffs, denn sie erfüllen hier eine wichtige Funktion mit Begegnungsmöglichkeiten, gemeinsamen Aktivitäten, gesundheitsfördernden Angeboten und der Stadtteilsozialarbeitals wichtige Kontaktstelle im Quartier. 

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