Klima: Wann lohnen sich die Umwege?

Die Sperrung der zentralen Verkehrsachse für Autos führt zu Mehrkilometern – aber nur zunächst, sagt OB Palmer. Ernst Gumrich: Erst OHNE Auto wird ein Schuh draus.

Wie viele Autofahrer müssen eigentlich auf andere Verkehrsmittel umsteigen, um die gefahrenen Mehrkilometer bei einer Sperrung der Mühlstraßendurchfahrt auszugleichen? Schließlich ist der Weg über Lustnau oder die Weststadt länger als der durch die Mitte. Diese Frage stellte Ernst Gumrich (Tübinger Liste) am Montagabend im Tübinger Klimaausschuss Oberbürgermeister Boris Palmer. Dieser widersprach der Darstellung, dass er bei der Antwort passen musste. Er schrieb dem TAGBLATT: „Ich habe Herrn Gumrich vorgerechnet, dass bei 3 Kilometern Umweg (das ist je nach Ziel eher weniger) und in der Annahme, dass jede verlagerte Fahrt im Schnitt 6 Kilometer lang gewesen wäre, bereits 50 Prozent Verlagerung ausreichend ist.“ Palmer geht davon aus, dass das Erschweren von Autofahrten zum Umstieg führt. Das sei die anerkannte Erkenntnis der Verkehrswissenschaftler.

Zwei Berechnungen
Gumrich hatte einer Strecke von 841 Metern von der Blauen Brücke zum Museum durch die Mühlstraße Wege von 3.268 Metern über die Weststadt und 7.213 Metern über Lustnau gegenübergestellt. Mehr gefahren würden über die Weststadt 2,43 Kilometer und über Lustnau 6,37 Kilometer. Würden alle 6.000 Autos, die derzeit täglich durch die Mühlstraße fahren, über die Weststadt fahren, wären dies nach Gumrichs Berechnungen 14.562 Kilometer mehr am Tag, über Lustnau 38.232 Kilometer. Um die auf der Beispielstrecke durch die Mühlstraße jetzt gefahrenen 5.000 Kilometer auszugleichen, müssten laut Gumrich bei der Westumfahrung 74 Prozent und über Lustnau 88 Prozent weniger Autos fahren.

Dem hielt Palmer entgegen, dass die Autofahrer ja in der Regel nicht von der Blauen Brücke starten, sondern eine Anfahrt haben. Diese Wege müssten auch abgezogen werden, wenn Fahrer ihr Auto stehen lassen. Er nahm 6 Kilometer an (3 Kilometer Hin- und Rückfahrt).
Auf dieser Basis kommt auch Gumrich auf andere Werte: nämlich 26 Prozent für die Westumfahrung und 48 Prozent für Lustnau. So viele der jetzigen Mühlstraßen-Durchfahrer müssten aufs Auto verzichten, um bei einer Nullsumme zu landen. Erst das erste stehengelassene Auto mehr brächte etwas fürs Klima.

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